Es gibt wohl kaum ein heikleres, sensibleres Thema für Australier als das Verhältnis zu ihren Ureinwohnern. Es ist geprägt von gegenseitigen Vorurteilen, Halb- oder Nichtwissen. Durch die Olympischen Spiele 2000 rückte dieses Thema jedoch mehr und mehr ins Licht der Weltöffentlichkeit. Im Februar 2004 sorgten Unruhen in Sydney für erneute Aufmerksamkeit. Ein Jugendlicher war am 14.02.04 von seinem Fahrrad auf einen Metall-Zaun gestürzt und erlag in einem Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Mutter des Jungen sagte, ihr Sohn sei verunglückt, weil er von Polizisten verfolgt worden sei.
Rund um dieses Thema existieren zahlreiche Mythen, die häufig publiziert werden, aber deswegen noch lange nicht korrekt sein müssen. Die Kulturen von weißen und "schwarzen" Australiern unterscheiden sich in vielen Punkten. Die Ureinwohner sehen sich als integrierten Bestandteil der Natur. Materielle Güterwirtschaft und Sesshaftigkeit haben in der Gesellschaft der Ureinwohner nicht den gleichen Stellenwert wie in der europäisch geprägten Einwanderer-Gesellschaft. Ein vorprogrammierter Konflikt: Die weißen Siedler brauchten für Ihr Verständnis von Existenz Landbesitz - gleichzeitig die Basis der eingeborenen Gesellschaft. Ein Konflikt, der bis heute andauert. Wir möchten versuchen nachfolgend mit einigen Hintergrund-Informationen dieses schwierige Thema zugänglich zu machen.
Das auch heute der Umgang mit diesem Thema noch sehr kompliziert ist, zeigt ein Vorfall aus dem Jahr 1999: Als das Fernsehteam des Schweizer Fernsehens für die 10-teilige Australien-Serie auch die Schattenseiten Australiens zeigen wollte, zog sich das staatliche Fremdenverkehrsamt - die Australian Tourist Commission - kurzzeitig von der geplanten Kooperation zurück...
Begriffe
Bezeichnung der australischen Ureinwohner durch die Weissen: Aborigine (Subst.); aboriginal (Adj.)
ab origine (lat.) = Ureinwohner / ursprünglich: sagenhaftes Stammvolk der Latiner (Landschaft Latium in Italien, heute "Lazio" mit Hauptstadt Rom).
- Als hochgradig "politically uncorrect" gilt die Kurz-Bezeichnung "Abo".
- Der sehr häufig verwendete Begriff "Aboriginie" gilt ebenfalls als diskriminierend. Diese Bezeichnung erhielten die Ureinwohner von den Weissen. Er sollte nach ihrem Wunsch in Publikationen nicht verwandt werden. Dem Spektrum der unterschiedlichen Zugehörigkeit zur indegenen Bevölkerung (von full blood bis zu Mischlingen mit zB. "nur" aboriginalen Großeltern) trägt der Befriff "aboriginal" Rechnung, während "Aborigine" alle in eine Schublade steckt.
- Die Bezeichnung "aboriginal" findet man sowohl als Adjektiv, wie auch als Substantiv. Als Adjektiv ist 'Aboriginal' politisch korrekt. Bei der Bezeichnung "Aboriginal people(s)" wird üblicherweise ein grosses 'A' verwendet, um eine Unterscheidung zu anderen aboriginal peoples z.B. denen in Kanada zu ermöglichen. Wenn allerdings in Australien jemand "Aboriginal" als Substantiv verwendet, oder ein kleines 'a' verwendet zeigt diese Person dass sie entweder a) nicht besonders gut informiert ist oder b) negativ zu den Ureinwohnern eingestellt ist.
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- In Australien trifft man vermehrt auf die Bezeichung "Indigenous People" vom lat. Begriff indigen.
- Auf Deutsch dürften die passenden Bezeichnungen "australische Ureinwohner" oder 'indigene Australier', alternativ auch die englischen Bezeichnungen 'Aboriginal people' oder 'Indigenous Australians'.
- Fazit: Wir nutzen für die Berichterstattung in AUSTRALIEN-INFO.DE zunehmend den Bezeichnung "Aboriginal People" oder die Umschreibung "australische Ureinwohner".
In Australien nutzen die Ureinwohner selbst zunehmend auch (zum Teil überregionale) Selbstbezeichnungen, um das Wort "Aboriginal" und dessen, immer als Fremdbezeichnungen angesehene Derivate zu vermeiden. Einige Bezeichnungen lassen sich auch primären Siedlungsgebieten zuordnen. Im Northern Territory (wie auch wahrscheinlich im norden Westaustraliens) identifizieren sich Leute nach wie vor hauptsächlich mit ihren lokalen Sprachgruppen, d.h. es gibt keine überregionale, sondern nur lokale Selbstbezeichnungen. So leben die 'Yolngu' östlich von Darwin in Arnhemland, in Darwin selbst aber sind es die 'Larrakia' und in Zentralaustralien gibt es die Arrernte (früher Arunta), Kaytetye, Alyawarr, Anmatyerr, Warumungu, Warlmanpa, Wakaya, Akarre, um nur ein paar Gruppen zu nennen.
Überregionale Selbstbezeichnungen der indigenen Einwohner finden Sie in der Tabelle unten –hauptsächlich für Gebiete entlang der Ost- und Südküste. So bezeichnen sich die indigenen Einwohner in Queensland generell als "Murri", in New South Wales und Victoria als "Koori", in Süaustralien als "Nungar", im Norden Südaustraliens jedoch als "Anangu" (= Menschen), in Südwest Westaustralien als "Nyoongar".
| Region |
Gruppenbezeichnung |
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Osten
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Murri
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Südosten
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Koori
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Süden
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Nanga
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Südwesten
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Nyungar
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Westen
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Wonghi
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Die Traumzeit - vor Ankunft der europäischen Siedler
Der Begriff "Traumzeit" steht für eines der umstrittensten und kompliziertesten Konstrukte im Bereich aboriginaler Kulturen überhaupt: Er entstand aufgrund von Missverständnissen zweier Ethnologen, die mit unzureichenden Übersetzungen der aranda-Vokabel "altjira rama" arbeiteten und deren Bedeutungen vermischten. "altjira rama" bedeutet stark vereinfacht gesprochen "die Fähigkeit, wie im Traum oder in einer Vision einen konkreten Ort von großer persönlicher Bedeutung für den jeweiligen Sprecher "sehen" zu können." Eine verkürzte Version des Begriffs (altjiranga) bezeichnet etwas, "das von Anfang an und in aller Ewigkeit vorhanden" war und ist. (altjeringa ist die englische Adaption von altjiranga).
Diese Vermischung der Begrifflichkeiten mündete im englischen "dreamtime", was schließlich als Traumzeit zu Beginn des 20. Jh. Eingang in die deutsche Sprache fand und u.a. durch Ethnologie und Psychoanalyse (Freud) für eine Mystifizierung aboriginaler Kulturen als letzte, mit der Natur in Harmonie lebende "Steinzeit"-Menschen sorgte. Diese Faszination strahlt der Begriff noch heute aus.
Wenn man den deutschen Begriff erklären möchte, dann eher als eine Art Parallelzeit, nicht als "Vor-Zeit". Natürlich birgt die Vorstellung, die wir Traumzeit nennen, für die verschiedenen aboriginalen Gruppen auch unterschiedliche Inhalte, die sich von mitteleuropäischen Assoziationen des Begriffs stark unterscheiden.
Siedlungsbeginn
Nicht vollkommen geklärt. Die meisten wissenschaftlichen Ansätze gehen von einem Siedlungsbeginn vor 40.000 bis 60.000 Jahren aus. Einzelne Studien sprechen sogar von 120.000 Jahren. Sicher nachweisbar ist eine vollständige Besiedlung des Kontinentes seit 32.000 Jahren. Dabei wurden Felszeichungen im
Kakadu NP datiert.
Das älteste Skelett in Australien wurde am Lake Mungo (New South Wales) gefunden. Die Universität von Canberra geht davon aus, dass es sich dabei umdie älteste DNS eines Menschen handelt - ca. 60.000 Jahre alt. Sie enthalten Spuren von aufgetragenen Ockerfarben, die höchstwahrscheinlich für Zeremonien genutzt wurden.
Abstammung
Es wird vermutet, dass die Besiedlung von Indonesien begonnen hat. Die Landmasse Australiens und der indonesischen Inseln hatte zu dieser Zeit durch einen niedrigeren Meeresspiegel eine grössere Ausdehnung. Die schmalste Meeresenge hatte eine Breite von 90 km. Ein ansteigender Meeresspiegel trennte Australien später wieder weiter von der asiatischen Inseln.
- Unklar ist, ob die heutigen australischen Ureinwohner bei ihrer Einwanderung ausreichende Kenntnis in Navigation hatten oder entsprechend taugliche Schiffe oder Flöße.
- Bei Ankunft der Europäer (Tausende von Jahren später) konnten dafür keine Anzeichen festgestellt werden.
Siedlungsräume
Schon vor Ankunft der Weißen lebten die meisten indigenen Australier an der klimatisch bevorzugten Ostküste. Das trockene rote Zentrum war allerdings nicht unbesiedelt sondern Heimat einer bedeutenden Anzahl von Gruppen und mutmasslich stärker besiedelt als heute.
Die Gruppenverbände mit rund 500 bis 700 Personen, unterteilten sich in sesshafte oder meist nomadisierende Gruppen von etwa 20 bis 50 Personen. Die Grenzen der Gruppen waren nicht abstrakt gezogen durch irgendwelche Federstriche auf Landkarten sondern ergaben sich vielmehr aus natürlichen Grenzen, wie Bergrücken und Flussläufe. Auseinandersetzungen wegen territorialer Besitzansprüche gab es häufig, was in einer idealisierenden "Traumzeit"-Literatur häufig nicht erwähnt wird.
Die Region der Riesen-Outback-Farmen, in denen heute z.B. 200 Menschen leben, ernährte früher verschiedene Gruppenverbände mit bis zu 2.500 Mitgliedern.
Landbesitz
Im Gegensatz zu anderen Völkern bewirtschafteten die Aboriginal People das Land nicht, sondern lebten vom kontrolliertem Verbrennen des Landes, das sogenannte fire-stick farming. Diese Form wird mittlerweile als Urform der Landwirtschaft angesehen. Sie haben keinen Sinn für Landeigentum entwickelt, auch wenn die Kinder der Ureinwohner frühzeitig lernen, daß die Menschen dem Land gehören und die Gruppengrenzen respektieren zu haben. Die Gruppen kehrten zu bestimmten Stätten zurück, um Tote zu begraben. Einige Gebiete wurden aufgrund ihrer Verbindung mit der Traumzeit zu heiligen Stätten erklärt.
Bevölkerung
- Über die Bevölkerungszahl zur Zeit der Ankunft der weißen - europäischen - Siedler gehen die Schätzungen auseinander. Sie liegen zwischen 300.000 und 1.000.000.
- Heute leben noch etwa 380.000 Aboriginal People in Australien.
- Bei genauerer Betrachtung zählen nur rund 50.000 zu den "full blood Aboriginal People". Aufgrund von rassistischen Vorurteilen bezeichneten sich viele Mischlinge in vergangenen Volksumfragen als Weiße, wodurch eine hohe Dunkelziffer entstand. Diese Tendenz ist in den letzen Jahren rückläufig, was zu einem statistischen Anstieg der aboriginalen Bevölkerung führt. Dem Spektrum der unterschiedlichen Zugehörigkeit zur aboriginalen Bevölkerung (von full blood bis zu Mischlingen mit zB. "nur" aboriginalen Großeltern) trägt das Substantiv "Aboriginal" Rechnung, während "Aborigine" alle in eine Schublade steckt.
Eine konstante Zahl der Bevölkerung wurde vor Ankunft der Weißen durch Geburtenkontrolle gewährleistet. Sexuelle Tabus, Abtreibungen, Kindstötungen (vor allem bei Zwillingsgeburten), waren keine Seltenheit, da es für die Frauen unmöglich war, den ganzen Hausrat und mehr als zwei Kinder mit sich zu tragen. Auch andere nomadisch lebende Gesellschaften kennen solche Regeln.
Nahrung
Heute als modische Kochzutat absolut en vogue: Der "Bushtucker" der Jäger & Sammler - Aboriginal People nutzen Bumerangs und Speere. Sie trugen keine Kleidung und bauten - mit einigen Ausnahmen - keine Häuser. Die Ausnahmen: Eher sesshafte Gruppen an der Ostküste bauten aus Baumrinde sog. "miamias". Bei der Nahrungsbeschaffung war das Gesammelte der Frauen meist von größerer Bedeutung, vor allem aber konstanter, als der Jagderfolg der Männer. Eine der bereits sehr früh entwickelten Jagdmethoden basierte auf dem geschickten Einsatz von Feuer. Aller Wahrscheinlichkeit nach bestand für die Aboriginal People nie der Bedarf Feldbau zu betreiben.
Sozialstruktur
Die Gesellschaften der Ureinwohner waren, und sind oft nach wie vor, hierarchisch gegliedert und zwar nach Alter und Wissen. Sozusagen eine Gerontokratie in der die "Stammesältesten" ("Elders") das meiste Sagen haben. Auf einer anderen Ebene ist diese Struktur egalitär, da jede Person die gleiche Chance hat sich Wissen anzueignen und dadurch irgendwann ein "Elder" mit Autorität zu werden.
Die Ältesten besitzen relativ viel Autorität. Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, die die ganze Gruppe betreffen ist ihr Rat in der Regel entscheidend. Die ganze Gruppe kann an Entscheidungen teilnehmen, aber Entscheidungen gelten nur wenn die Ältesten zustimmen. Und nachdem alles, was die Ureinwohner traditionell machten, von ihrem 'Gesetz', "the Law" bestimmt wurde (Heiratsregeln, 'Tabus', wer wann wo jagen oder sammeln durfte etc) hatten die Ältesten Einfluss auf alle Bereiche des Lebens (das Leben war ein ritueller Akt).
Selbstverständnis
Nach ihrem Glauben sehen sich Aboriginal People als integrierten Teil ihrer natürlichen Umgebung. Sie befolg(t)en strikte Verhaltensregeln im Umgang mit der Natur. Diese Haltung ist Neuerungen gegenüber sehr zurückhaltend. Termine zu vereinbaren und einzuhalten ist dabei ebenfalls unwichtig - aufgrund völlig anderer kultureller Grundlagen und Notwendigkeiten.
Die ersten Europäer empfanden folglich die Kultur als archaisch und fremd - vergleichbar mit den steinzeitlich lebenden Papua auf Neuguinea. Aus diesen Eindrücken resultierte die Behandlung aboriginaler Gruppen in der Folgezeit des Erstkontaktes. Sie entstand aus einer Mischung von völliger Unkenntnis der Kultur, falschen Interpretationen und der fehlenden Bereitschaft, sich dem Unbekannten zu öffnen.
Kunst
Die Schriftform war unbekannt. Bildende und darstellende Kunst waren wichtige Ausdrucksmittel - um mündlichen Aussagen Nachdruck zu geben und zur Erinnerung an die Gruppengeschichten und religiöse Traditionen. Gemalt wurde auf Felsen, Höhlenwände und auf Baumrinde - vorwiegend in Erdfarben. Typisches Merkmal für das südliche Northern Territory ist die nahezu ausschließliche Reduktion auf Punkte und Striche, quasi eine Rastertechnik - früher Pointillismus. Im Arnhemland und dem
Kakadu NP ist der Röntgenstil u sehen. Figürliche Darstellungen finden sich im Südosten & der Kimberley Region (z.B. die Wandjina Geister oder Handabdrücke).
Sprache
Fast 300 verschiedene Sprachen und Dialekte wurden gesprochen. Heute sind es etwa 50, die von Gruppen gesprochen werden, denen mindestens 100 Ureinwohner angehören. Unter 20 Sprachen werden von mehr als 500 Aboriginal People verwendet. Die Sprachen sind grammatikalisch hoch entwickelt. Aus Sicht der Aboriginal People ist die englische Sprache völlig ungeeignet ihr Verhältnis zu ihrer Heimat zu beschreiben. Viele Sprachen sind inzwischen ausgestorben, es haben sich aber zum Teil aus überlebenden Resten, die sich mit anderen aboriginalen Sprachen und Pidgin-English mischten, neue Sprachen entwickelt. Diese werden nicht nur gesprochen, sondern auch geschrieben (erzählende Literatur, Gedichte, oral narratives).
Nach Ankunft der europäischen Siedler
Rechtlosigkeit
Bei der Besiedlung wurde Australien als Terra Nullius (Niemandsland) gesehen.
1836 wurde den nomadisierenden Aboriginal People die Fähigkeit zur organisierten Landnutzung (und die Tatsache, dass sie das Land wirklich genutzt haben) abgesprochen und die Landrechte der Ureinwohner für nichtig erklärt.
Vetreibung
Aboriginal People wurden als zum Aussterben verurteilte Rasse primitiver Nomaden gesehen, deklariert und so behandelt. Die Ureinwohner wurden aus ihren Siedlungsgebieten vertrieben. Die Europäer gingen teilweise mit äußerster Härte vor. Aboriginal People wurden gejagt, vergiftet und erschossen.
- Besonders drastisch ist das Schicksal der Ureinwohner Tasmaniens: 4.000 von ihnen setzten sich zur Wehr und wurden binnen 70 Jahren vollständig vernichtet.
- Noch in den Zwanzigerjahren wurden Aboriginal People auf sonntäglichen Treibjagden von Viehtreibern erschossen und «ihre Köpfe auf der Veranda zum Trocknen aufgestellt». Illegal – aber durchaus entsprechend dem Zeitgeist.
Krankheiten & Seuchen
Masern und Syphilis dezimierten die Anzahl der Aboriginal People weiter. 1789, 1829-32, 1865-70 wüteten Pockenepidemien, von denen die weißen Siedler verschont blieben, da sie gegen die von ihnen eingeschleppten Erreger weitgehend resistent waren. Übergewicht und Diabetes sind heute weit verbreitet.
Depression & Apathie
Aus Sicht der Ureinwohner wurde und wird ihre Welt nach und nach zerstört. Viele sind physisch und geistig entwurzelt. Parallel dazu sinkt ihr Selbstrespekt sowie der Lebenswille. Dies führt oft zur Flucht in Apathie, Depression und Drogen. So entstand ihr Ruf faul und "unnütz" zu sein. Im Gegensatz zu den Schwarzen Südafrikas, die während der Apartheid-Politik mit Terror und Aufständen die Weltöffentlichkeit auf sich aufmerksam machten, blieben die australischen Ureinwohner eher lethargisch.
Alkohol & Drogen
Alkohol ist heute die größte Geisel der Aboriginal People: Vielen trinken sich mit billigem, gepanschten Fusel um den Verstand - bis in den Tod. Junge Aboriginal People schnüffeln sich mit Benzin in den Wahnsinn. Unter diesen Drogen-Problemen leidet die ganze Familie - und damit das Herzstück der Ureinwohnergesellschaften.
Missionen
Die Kolonialverwaltung versuchte nach eigener Definition dem Zerfall der Kulturen durch Errichtung von Reservaten und Entsendung von Missionaren gegenzuwirken. Der Erfolg war ausgesprochen mäßig: Von 1860 bis 1940 dauerte der Versuch eingefangene Aboriginal People in Reservaten zu halten und ihnen die weiße Lebensweise mit staatlicher Versorgung aufzuzwingen.
Hinter dem scheinbar hehren Ziel der Mission steckte ein handfestes politisches Interesse. Viele Geschichtsforscher sehen heute das Kernziel der Mission in der Zerstörung der Ureinwohnerkulturen: Die Menschen sollten als billige Arbeitskräfte dienstbar gemacht werden. Viele Missionen bzw. staatliche Einrichtungen (selbst Privatleute wie zB. Daisy Bates) sahen ihre Aufgabe im "smoothing of the pillow on the black man’s death bed", also darin, das Aussterben der Schwarzen in Australien wenn nicht zu beschleunigen, so zumindest "angenehm" zu machen.
Erfolgreiche und gescheiterte Schritte zur Eingliederung
Kinderraub
Ein besonders brutaler Versuch der Assimilierung wird erst seit Ende der 90er Jahre von der autralischen Gesellschaft aufgearbeitet: Bis ca. 1970 trennten Regierung und Kirche Tausende von Kindern von ihren Eltern. Diese «gestohlene Generation» wurde bei Pflegefamilien und in Missionsstationen untergebracht.
Rechtslage
Die weißen Australier taten sich schwer mit der Erteilung voller Bürgerrechte für die Ureinwohner.
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1961 |
Aboriginal People erhalten Wahlrecht
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1967 |
Gründung des Referates für Aboriginal-Angelegenheiten:
Die Effizienz der Institution ist ein Dauerstreitpunkt australischer Innenpolitik. Milliarden wurden u.a. in die medizinische Versorgung gesteckt um z.B.
die dramatische Säuglingssterblichkeit (war 10-fach im Vgl. zu Weissen) zu reduzieren.
Unterschlagungen und mangelhafte Buchführung sind häufige Probleme bei der Verteilung finanzieller Mittel bei Aboriginal-Projekten.
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1980 ff. |
Die Rassentrennung an Schulen und in manchen Stadtbezirken wird nach und nach aufgehoben.
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1993 |
Mabo-Gesetz beendet Rechtslage von "Terra Nullius":
Aboriginal People haben Recht auf "native titles" - Rückforderung von ureigenem Land. Voraussetzung: Nachweis einer jahrhundertelangen, konstant andauernden, Beziehung zu einem Land.
Ureinwohnerstämme meldeten Ansprüche auf fast 40 Prozent der Fläche an. Dabei sollen die bisherigen Nutzer nicht vertrieben werden, aber Rechte zur Durchführung religiöser Handlungen und zur Jagd auf Wildtiere sowie Wegerechte eingeräumt werden.
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1998 |
Wik-Gesetz schränkt Forderungen der Ureinwohner ein:
Landrechts-Ansprüche auf Gebiete, die vom Staat an Bauern oder
Bergbaugesellschaften verpachtet sind, können nicht erhoben werden. Lediglich finanzielle Entschädigung kann verlangt werden. Finanziert werden solen sie aus Steuermitteln. Es wird mit Kosten in Milliarden-Höhe gerechnet.
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1999 |
Verfassungs-Präambel abgelehnt:
Ein Vorwort zur Verfassung, dass u. a. die Aboriginal People als erstes Volk Australien anerkennen sollte, wurde abgelehnt.
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2000 |
Mehrere Protestmärsche mit bis zu einer halben Million Teilnehmern für die Rechte der Aboriginal People spiegeln das geänderte Rechtsbewusstsein des weissen Australiens.
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2004 |
Nach dem Tod eines 17-jährigen gibt es im Februar Krawalle in der Ureinwohnersiedlung in Sydneys Stadtteil Redfern.
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2008 |
Endlich: Die neue Regierungunter Kevin Rudd richtet ein offizielles "Sorry", eine Entschuldigung an die Ureinwohner
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Status Quo
Entwurzelung
Es gibt nur noch wenige Gebiete, wo Aboriginal People traditionell leben bzw. leben wollen. Sie leben mit einem Kompromiss zwischen den beiden Lebensstilen und sind meist weder hier noch dort zu Hause. Etwa die Hälfte wohnt in und um ländliche Kleinstädte, ca. ein Viertel in den Grossstädten.
Soziale Situation
Nach dem "Overcoming Disadvatage Report 2009", einer Studie der australischen Regierung, sind Kinder von Ureinwohnern sechsmal mehr in Gefahr missbraucht zu werden. Die Mordrate ist bei den Ureinwohnern siebenmal so hoch. Die Wahrscheinlichkeit, im Gefängnis zu landen, ist 13 mal höher. 46 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen landen irgendwann in ihren Leben im Gefängnis. Zwei Drittel der Ureinwohnerkinder schaffen ihren High School-Abschluss nicht.
Versöhnung
Für ihre Rolle bei den Zwangs-Adoptionen haben sich u.a. offiziell entschuldigt: Die Kirchen und der Generalgouverneur als Vertreter des australischen Staatsoberhauptes - der Königin Elizabeth II..
Radikalisten
Während die städtische Bevölkerung eher für Versöhnungsmassnahmen plädiert, gibt es auf dem Land oft Stimmen zur Beibehaltung eines ausgrenzenden Kurses.
Umstritten sind insbesondere die Milliarden schweren Projekte zur Unterstützung der Aborigines. Eine Schlüsselfunktion nimmt hier die staatlich finanzierte Aborigines-Selbstverwaltungs-Organisation Atsic ein.
- Die Partei "One Nation" vom rechten Rand des Parteienspektrums versucht seit Mitte der 90er Jahre Profit aus einem latenten Rassismus zu ziehen.
- Nicht nur auf weißer Seite gibt es radikale Positionen. Auch manche Aboriginal-Aktivisten bringen die Sache der Ureinwohner in Misskredit.
Ureinwohner-Siedlungen
In Sydneys Stadtteil Redfern ist die grösste Ureinwohnersiedlung Australiens. Sie gilt seit Jahren als Ghetto der Ureinwohner der Olympiastadt und bietet wahrscheinlich das negativste Beispiel für eine Siedlung urbanisierter Aboriginal Pepole. Da sie nur wenige Kilometer von der Oper entfernt liegt, werden immer wieder populistische Rufe nach der Abrissbirne laut, so im Februar 2004 nach den Krawallen auch vom Oppositionsführer. In Redfern ist Drogenmissbrauch, Arbeitslosigkeit, Jugendkriminalität und Gewalt zuhause - häufig gepaart mit einer zutiefst empfundenen Entwurzlung und Perspektivlosigkeit. Konflikte zwischen der Polizei und den Aboriginal People sind in Redfern nahezu Alltag. Immer wieder werden Beamte von den Bewohnern des Rassismus beschuldigt.
Hoffnung für die Zukunft
Bergbau
In der
Region Pilbara wird in der Hamersley Range Eisenerz gefördert. Bei der Minengesellschaft in der Pilbara Region zählen seit Ende der 80er Jahre Kompetenz und Leistung, nicht Hautfarbe und Herkunft.
Aboriginal People arbeiten hier bereits in höheren Positionen und werden voll akzeptiert.
Tourismus
Mit verschiedenen ambitionierten Tourismusprojekten erwirtschaften Aboriginal People jedes Jahr Hunderte von Millionen Dollar zum Volkseinkommen. Mittlerweile profitieren die Aboriginal People auch vom Tourismus zu ihren heiligen Stätten, wie zum Beispiel dem
Kakadu NP oder dem
Uluru (Ayers Rock). Weitere touristische Gebiete mit engem Aboriginal-Bezug sind u.a.
Tiwi Islands,
Kings Canyon,
Katherine und
Cape Tribulation. Dabei ist die Art und Weise der einzelnen Tourismus-Projekte teilweise heftig umstritten.
Anbieter touristischer Dienstleistungen von/mit Aboriginal People.
Hinweis: Bitte lesen Sie die Beschreibungen der Anbieter, wenn Sie explizit Angebote von Firmen suchen, die von Aboriginal People geführt werden.
Kunst
Ein schmaler Grat liegt zwischen der seriösen Vermarktung der Kunstwerke - Malereien und Plastiken sowie der Boomerangs. Im südlichen Northern Territory sind
die "Dot Paintings" zum Inbegriff der Aboriginal-Malerei geworden. Kooperativen haben sich zur Vermarktung gegründet und sind damit so erfolgreich, dass sie sich mittlerweile bereits gegen Kopierfälschungen wehren müssen.
Musik
Gleich zweifach bietet die Musik Möglichkeiten als Hoffnungsträger zu gelten:
- Das australische Didgeridoo erfreut sich als Musikinstrument rasant steigender Beliebtheit.
- Popbands wie Yothu Yindi verknüpfen Aboriginal-Elemente geschickt mit kommerziellen Einflüssen und bieten so auch via Mainstream einen - wenngleich nicht ganz originären Zugang - zu kulturellen Elementen der Aboriginal People.
Für die maßgebliche Mithilfe bei der Zusammenstellung der Informationen für diese Seite bedanken wir uns herzlich bei Olaf Geerken (ein bereits langjährig in Australien arbeitender Anthropologe deutscher Herkunft) und Petra Schleunig.
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Das Land Down Under ist für uns auf den ersten Blick fremd und oftmals doch vertraut. Das ist verwirrend und endet leider recht häufig in der Reproduktion von Klischees und Fehlinterpretationen. Diese Seite soll eine differenzierte Darstellung Australiens ermöglichen, indem sie den kulturellen Hintergrund und seine Konsequenzen für das Schreiben genauer beleuchtet.
Aboriginal Literatur - aus und über Australien
Reiseliteratur zur vertiefenden Beschäftigung mit der Kultur der Aboriginal People
Weiterführende Links
Aboriginal Art & Culture Centre (e)
Ein Aborigine-Stamm der Southern Arrernte Aboriginal tribal group,ca. 100 km entfernt von Alice Springs hat sich dem Cyberspace aktiv geöffnet. Er ist via Online-Shop aktiv im Verkauf von Kunsthandwerk und betreibt vor Ort florierende Tourismus-Aktivitäten. Auf der Web-Site kann man unter anderem eine virtuelle Reise in die Zeit der Dreamtime antreten, die Kunstgalerie besichtigen und detaillierte Informationen über das Didgeridoo in der "Didgeridoo-Universität" finden. Allerdings braucht es für die Ladezeit mancher Seite etwas Geduld - diese wird aber belohnt.
Aboriginal Pflanzenlehrpfad (e)
Der Ein Lehrpfad in Canberras Nationalem Botanischem Garten zeigt die Nutzung der einheimischen Pflanzenwelt durch die Aboriginals auf.
Aboriginal Studies WWW VL (e)
Guter Ausgangspunkt für Infos über Aboriginies mit weit über 100 Links zu speziellen Diensten - teilweise sehr wissenschaftlich orientiert
Northern Land Councils (e)
Der aktuelle Stand im Kampf der Aborigines um die Landrechte aus Sicht der Aborigines im Northern Territory.
Yothu Yindi (e)
Australiens-Top-Aborigine Band war 1998 mit Peter Maffay auf Europa-Tournee. Die Homepage konzentriert sich auf das fünfte Album der Band, One Blood. Es zeigt eine mystische Atmosphäre, die durch die Interpretation von jahrtausende alten Liedern oder Gebeten durch traditionelle Instrumente wie Didgeridoos oder Bilmas in Verbindung mit neuzeitlichen Rock- und Pop-Sounds entsteht. Das Album kann als eine Art Best Of bezeichnet werden. Die Single-Auskopplung "Mainstream" gibt es als Real Audio-Datei.
Diverse Artikel zur "Australian Aboriginal culture" von Jens-Uwe Korff
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