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Rund um dieses Thema existieren zahlreiche Mythen, die häufig publiziert werden, aber deswegen noch lange nicht korrekt sein müssen. Die Kulturen von weißen und "schwarzen" Australiern unterscheiden sich in vielen Punkten. Die Ureinwohner sehen sich als integrierten Bestandteil der Natur. Materielle Güterwirtschaft und Sesshaftigkeit haben in der Gesellschaft der Ureinwohner nicht den gleichen Stellenwert wie in der europäisch geprägten Einwanderer-Gesellschaft. Ein vorprogrammierter Konflikt: Die weißen Siedler brauchten für Ihr Verständnis von Existenz Landbesitz - gleichzeitig die Basis der eingeborenen Gesellschaft. Ein Konflikt, der bis heute andauert. Wir möchten versuchen nachfolgend mit einigen Hintergrund-Informationen dieses schwierige Thema zugänglich zu machen, erheben dabei aber nicht den Anspruch dieses umfassende Thema komplett zu umreissen.
Bezeichnung der australischen Ureinwohner durch die Weissen: Aborigine (Subst.); aboriginal (Adj.)
ab origine (lat.) = Ureinwohner / ursprünglich: sagenhaftes Stammvolk der Latiner (Landschaft Latium in Italien, heute "Lazio" mit Hauptstadt Rom).
Die australischen Ureinwohner lehnten lange Zeit den stark vereinfachenden Dachbegriff "Aborigines" ab und nutzten ihn selbst nicht zur kulturellen Identifikation. Der von Europäern aufgezwungene Begriff Aborigines war in der Vergangenheit mit rassistischem und sozial-darwinistischem Gedankengut verknüpft und im englischen Sprachgebrauch auch negativ besetzt.
Das hat sich jedoch 2011 geändert: Über einen unserer Leser erhielten wir im Januar 2011 eine Stellungnahme von Ray Jackson, dem Präsident der Indigenous Social Justice Association. Er schreibt sinngemäß, dass der Begriff einem Wandel unterzogen wurde. So sei aus einem Begriff der Geringschätzung heute durchaus für viele die Bezeichnung "Aborigine" eine Bezeichnung, die den Stolz der australischen Urbevölkerung nicht mehr verletzte. Das sei vergleichbar des Begriffswandel bei den Afroamerikanern, die zunächst diskreditierenden Begriff "Schwarzer" im Rahmen der Black Power Bewegung Ende der 60er Jahre mit neuer, positiver Bedeutung erfüllt haben.
Die Frage der wirklich korrekten Bezeichnung ist nicht abschließend geklärt. So wurde bei einer Konferenz im Januar 2010 auch mal der Terminuns 'origine' als mögliche Beschreibung der Aboriginal People diskutiert und doch wieder als unpassend verworfen.
In Australien nutzen die Ureinwohner selbst zunehmend auch (zum Teil überregionale) Selbstbezeichnungen. Einige Bezeichnungen lassen sich auch primären Siedlungsgebieten zuordnen. Im Northern Territory (wie auch wahrscheinlich im norden Westaustraliens) identifizieren sich Leute nach wie vor hauptsächlich mit ihren lokalen Sprachgruppen, d.h. es gibt keine überregionale, sondern nur lokale Selbstbezeichnungen. So leben die 'Yolngu' östlich von Darwin in Arnhemland, in Darwin selbst aber sind es die 'Larrakia' und in Zentralaustralien gibt es die Arrernte (früher Arunta), Kaytetye, Alyawarr, Anmatyerr, Warumungu, Warlmanpa, Wakaya, Akarre, um nur ein paar Gruppen zu nennen.
Überregionale Selbstbezeichnungen der indigenen Einwohner finden Sie in der Tabelle unten –hauptsächlich für Gebiete entlang der Ost- und Südküste. So bezeichnen sich die indigenen Einwohner in Queensland generell als "Murri", in New South Wales und Victoria als "Koori", in Süaustralien als "Nungar", im Norden Südaustraliens jedoch als "Anangu" (= Menschen), in Südwest Westaustralien als "Nyoongar".
| Region | Gruppenbezeichnung |
| Osten | Murri |
| Südosten | Koori |
| Süden | Nanga |
| Südwesten | Nyungar |
| Westen | Wonghi |
Der Begriff "Traumzeit" steht für eines der umstrittensten und kompliziertesten Konstrukte im Bereich aboriginaler Kulturen überhaupt: Er entstand aufgrund von Missverständnissen zweier Ethnologen, die mit unzureichenden Übersetzungen der aranda-Vokabel "altjira rama" arbeiteten und deren Bedeutungen vermischten. "altjira rama" bedeutet stark vereinfacht gesprochen "die Fähigkeit, wie im Traum oder in einer Vision einen konkreten Ort von großer persönlicher Bedeutung für den jeweiligen Sprecher "sehen" zu können." Eine verkürzte Version des Begriffs (altjiranga) bezeichnet etwas, "das von Anfang an und in aller Ewigkeit vorhanden" war und ist. (altjeringa ist die englische Adaption von altjiranga).
Diese Vermischung der Begrifflichkeiten mündete im englischen "dreamtime", was schließlich als Traumzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts Eingang in die deutsche Sprache fand und u.a. durch Ethnologie und Psychoanalyse (Freud) für eine Mystifizierung aboriginaler Kulturen als letzte, mit der Natur in Harmonie lebende "Steinzeit"-Menschen sorgte. Diese Faszination strahlt der Begriff noch heute aus.
Wenn man den deutschen Begriff erklären möchte, dann eher als eine Art Parallelzeit, nicht als "Vor-Zeit". Natürlich birgt die Vorstellung, die wir Traumzeit nennen, für die verschiedenen aboriginalen Gruppen auch unterschiedliche Inhalte, die sich von mitteleuropäischen Assoziationen des Begriffs stark unterscheiden.
Das älteste Skelett in Australien wurde am Lake Mungo (New South Wales) gefunden. Die Universität von Canberra geht davon aus, dass es sich dabei umdie älteste DNS eines Menschen handelt - ca. 60.000 Jahre alt. Sie enthalten Spuren von aufgetragenen Ockerfarben, die höchstwahrscheinlich für Zeremonien genutzt wurden.
In dieser Studie wird auch auf die jeweils auffallend dunkle Hautfarbe mancher Aboriginies hingewiesen, die auf eine Verwandtschaft mit Menschen im Hochland von Neuguinea und den Mamanwas, einem Volk auf den Philippinen, hinweisen könnte. Diese Einflüsse dürften gemäß der Analyse des Erbguts bereits rund 35.000 Jahre zurückliegen. Für beide möglichen Einwanderungswellen spielt eine Rolle, dass es in der Erdgeschichte immer wieder Landbrücken zwischen Australien und seinen nördlichen Nachbarn gab, wenn der Meeresspiegel gesunken war, weil das Wasser in einer Eiszeit an den Polen und vielen Gletschern gebunden war.
Die Gruppenverbände mit rund 500 bis 700 Personen, unterteilten sich in sesshafte oder meist wandernde Gruppen von etwa 20 bis 50 Personen. Die Grenzen der Gruppen waren nicht abstrakt gezogen durch irgendwelche Federstriche auf Landkarten sondern ergaben sich vielmehr aus natürlichen Grenzen, wie Bergrücken und Flussläufe. Auseinandersetzungen wegen territorialer Besitzansprüche gab es häufig, was in einer idealisierenden "Traumzeit"-Literatur häufig nicht erwähnt wird.
Die Region der Riesen-Outback-Farmen, in denen heute z.B. 200 Menschen leben, ernährte früher verschiedene Gruppenverbände mit bis zu 2.500 Mitgliedern.
Eine konstante Zahl der Bevölkerung wurde vor Ankunft der Weißen durch Geburtenkontrolle gewährleistet. Sexuelle Tabus, Abtreibungen, Kindstötungen (vor allem bei Zwillingsgeburten), waren keine Seltenheit, da es für die Frauen unmöglich war, den ganzen Hausrat und mehr als zwei Kinder mit sich zu tragen. Auch andere nomadisch lebende Gesellschaften kennen solche Regeln.
Die Ältesten besitzen relativ viel Autorität. Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, die die ganze Gruppe betreffen, ist ihr Rat in der Regel entscheidend. Die ganze Gruppe kann an Entscheidungen teilnehmen, aber Entscheidungen gelten nur wenn die Ältesten zustimmen. Und nachdem alles, was die Ureinwohner traditionell machten, von ihrem 'Gesetz' - "the Law" - bestimmt wurde (Heiratsregeln, 'Tabus', wer wann wo jagen oder sammeln durfte etc) hatten die Ältesten Einfluss auf alle Bereiche des Lebens (das Leben war ein ritueller Akt).
Nach ihrem Glauben sahen sich Aboriginal People als integrierten Teil ihrer natürlichen Umgebung. Sie befolgten strikte Verhaltensregeln im Umgang mit der Natur. Diese Haltung ist Neuerungen gegenüber sehr zurückhaltend. Termine zu vereinbaren und einzuhalten war dabei ebenfalls unwichtig - aufgrund völlig anderer kultureller Grundlagen und Notwendigkeiten.
Die ersten Europäer empfanden folglich die Kultur als archaisch und fremd - vergleichbar mit den steinzeitlich lebenden Papua auf Neuguinea. Aus diesen Eindrücken resultierte die Behandlung aboriginaler Gruppen in der Folgezeit des Erstkontaktes. Sie entstand aus einer Mischung von völliger Unkenntnis der Kultur, falschen Interpretationen und der fehlenden Bereitschaft, sich dem Unbekannten zu öffnen.
Hinter dem scheinbar hehren Ziel der Mission steckte ein handfestes politisches Interesse. Viele Geschichtsforscher sehen heute das Kernziel der Mission in der Zerstörung der Ureinwohnerkulturen: Die Menschen sollten als billige Arbeitskräfte dienstbar gemacht werden. Viele Missionen bzw. staatliche Einrichtungen (selbst Privatleute wie zB. Daisy Bates) sahen ihre Aufgabe im "smoothing of the pillow on the black man’s death bed", also darin, das Aussterben der Schwarzen in Australien wenn nicht zu beschleunigen, so zumindest "angenehm" zu machen.
| 1961 | Aboriginal People erhalten Wahlrecht |
| 1967 |
Gründung des Referates für Aboriginal-Angelegenheiten:
Die Effizienz der Institution ist ein Dauerstreitpunkt australischer Innenpolitik. Milliarden wurden u.a. in die medizinische Versorgung gesteckt um z.B. die dramatische Säuglingssterblichkeit (war 10-fach im Vgl. zu Weissen) zu reduzieren. Unterschlagungen und mangelhafte Buchführung sind häufige Probleme bei der Verteilung finanzieller Mittel bei Aboriginal-Projekten. |
|
|
Die Rassentrennung an Schulen und in manchen Stadtbezirken wird nach und nach aufgehoben. |
| 1993 |
Mabo-Gesetz beendet Rechtslage von "Terra Nullius":
Aboriginal People haben Recht auf "native titles" - Rückforderung von ureigenem Land. Voraussetzung: Nachweis einer jahrhundertelangen, konstant andauernden, Beziehung zu einem Land. Ureinwohnerstämme meldeten Ansprüche auf fast 40 Prozent der Fläche an. Dabei sollen die bisherigen Nutzer nicht vertrieben werden, aber Rechte zur Durchführung religiöser Handlungen und zur Jagd auf Wildtiere sowie Wegerechte eingeräumt werden. |
| 1998 |
Wik-Gesetz schränkt Forderungen der Ureinwohner ein:
Landrechts-Ansprüche auf Gebiete, die vom Staat an Bauern oder Bergbaugesellschaften verpachtet sind, können nicht erhoben werden. Lediglich finanzielle Entschädigung kann verlangt werden. Finanziert werden sollen sie aus Steuermitteln. Es wird mit Kosten in Milliarden-Höhe gerechnet. |
| 1999 |
Verfassungs-Präambel abgelehnt:
Ein Vorwort zur Verfassung, dass u. a. die Aboriginal People als erstes Volk Australien anerkennen sollte, wurde abgelehnt. |
| 2000 | Mehrere Protestmärsche mit bis zu einer halben Million Teilnehmern für die Rechte der Aboriginal People spiegeln das geänderte Rechtsbewusstsein des weissen Australiens. |
| 2004 | Nach dem Tod eines 17-jährigen gibt es im Februar Krawalle in der Ureinwohnersiedlung in Sydneys Stadtteil Redfern. |
| 2008 | Endlich: Die neue Regierung unter Kevin Rudd richtet ein offizielles "Sorry", eine Entschuldigung, an die Ureinwohner |
Umstritten sind insbesondere die Milliarden schweren Projekte zur Unterstützung der Aborigines. Die Partei "One Nation" vom rechten Rand des Parteienspektrums versuchte insbesondere Mitte der 90er Jahre Profit aus einem latenten Rassismus zu ziehen. Auch manche Aboriginal-Aktivisten bringen die Sache der Ureinwohner in Misskredit.
Anbieter touristischer Dienstleistungen von/mit Aboriginal People.
Hinweis: Bitte lesen Sie die Beschreibungen der Anbieter, wenn Sie explizit Angebote von Firmen suchen, die von Aboriginal People geführt werden.
Für tiefergreifende Informationen empfehlen wir Ihnen die Website von Jens-Uwe Korff aus Sydney. Seit 1994 beschäftigt er sich ausführlich mit der Kultur der australischen Ureinwohner. Er betreibt seit langem eine Website, auf der er seit Artikel publiziert, die von Aborigines und Weißen gleichermaßen geschätzt werden. Er bezieht sich dabei überwiegend auf Aboriginal Quellen und hat sich so den Ruf eines seriösen Berichterstatters erworben. Wer sich mit dem Thema tiefergreifend beschäftigen will - bis hin zum Rahmen einer Batchelor- oder Masterarbeit ist auf der Website von Jens Korff bestens aufgehoben. Website von Jens Korff (in Englisch)
Für die maßgebliche Mithilfe bei der Zusammenstellung der Informationen für diese Seite bedanken wir uns herzlich bei Olaf Geerken (ein bereits langjährig in Australien arbeitender Anthropologe deutscher Herkunft) und Petra Schleunig.
Die wichtigsten Stationen der australischen Geschichte
Das australische Instrument Nummer 1: das Didjeridu / Didgeridoo
Tipps und Hintergründe zur Berichterstattung über Australien und Aboriginal People
Das Land Down Under ist für uns auf den ersten Blick fremd und oftmals doch vertraut. Das ist verwirrend und endet leider recht häufig in der Reproduktion von Klischees und Fehlinterpretationen. Diese Seite soll eine differenzierte Darstellung Australiens ermöglichen, indem sie den kulturellen Hintergrund und seine Konsequenzen für das Schreiben genauer beleuchtet.
Aboriginal Literatur - aus und über Australien
Reiseliteratur zur vertiefenden Beschäftigung mit der Kultur der Aboriginal People
Aboriginal Art & Culture Centre (e)
Ein Aborigine-Stamm der Southern Arrernte Aboriginal tribal group, ca. 100 km entfernt von Alice Springs hat sich dem Cyberspace aktiv geöffnet. Er ist via Online-Shop aktiv im Verkauf von Kunsthandwerk und betreibt vor Ort florierende Tourismus-Aktivitäten. Auf der Web-Site kann man unter anderem eine virtuelle Reise in die Zeit der Dreamtime antreten, die Kunstgalerie besichtigen und detaillierte Informationen über das Didgeridoo in der "Didgeridoo-Universität" finden. Allerdings braucht es für die Ladezeit mancher Seite etwas Geduld - diese wird aber belohnt.
Aboriginal Pflanzenlehrpfad (e)
Ein Lehrpfad in Canberras Nationalem Botanischem Garten zeigt die Nutzung der einheimischen Pflanzenwelt durch die Ureinwohner auf.
Aboriginal Studies WWW VL (e)
Guter Ausgangspunkt für Infos über Aborigines mit weit über 100 Links zu speziellen Diensten - teilweise sehr wissenschaftlich orientiert
Northern Land Councils (e)
Der aktuelle Stand im Kampf der Aborigines um die Landrechte aus Sicht der Aborigines im Northern Territory.
Yothu Yindi (e)
Australiens-Top-Aborigine Band war 1998 mit Peter Maffay auf Europa-Tournee. Die Homepage konzentriert sich auf das fünfte Album der Band, One Blood. Es zeigt eine mystische Atmosphäre, die durch die Interpretation von jahrtausende alten Liedern oder Gebeten durch traditionelle Instrumente wie Didgeridoos oder Bilmas in Verbindung mit neuzeitlichen Rock- und Pop-Sounds entsteht. Das Album kann als eine Art Best Of bezeichnet werden. Die Single-Auskopplung "Mainstream" gibt es als Real Audio-Datei.
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