"Australia" ist das größte Projekt in der Geschichte des australischen Films mit einem Budget von mehr als 180 Millionen AUD und einer Crew von 300 Personen. Rund 40 Mio. AUD des Budgets sollen aus australischen Steuermitteln stammen.
Baz Luhrmann, australischer Produzent und Regisseur, hat als Setting für sein viel versprechendes Epos die dramatisch schöne Landschaft Nordaustraliens gewählt. Die Handlung spielt überwiegend in Darwin und auf einer Rinderfarm im Outback.
DVD und Blue Ray wurden am 24.04.09 veröffentlicht. Darauf zu finden:
Kapitel- / Szenenanwahl
Animiertes Menü
Menü mit Soundeffekten
Nicht verwendete Szenen: "Was ist mit der Herde?“ / "Verärgerte Bedienstete servieren das Essen"
Australia: The People / The History / The Location
Lady Sarah Ashley, eine englische Aristokratenfrau, kommt Ende der 1930er Jahre nach Darwin. Sie will ihren Ehemann von seiner Rinderfarm im australischen Outback zurück nach Hause holen. Gemeinsam mit einem rauen Viehtreiber "Drover" begibt sie sich auf die beschwerliche Reise von Darwin zur Farm.
Sarah ist tief ergriffen von der herben Schönheit Nordaustraliens. Ein Schicksalsschlag führt dazu, dass sie die Farm erbt. Bei dem verzweifelten Versuch, die Farm vor einem geldgierigen Rinderbaron zu retten, muss sie sich auf einen abenteuerlichen Viehtrieb ("Cattle Drive") nach Darwin begeben. Und hier beginnt die Romanze zwischen Sarah und dem Viehtreiber. Die Lage spitzt sich zu, als sie die Bombardierung der Stadt Darwin durch die japanischen Streitkräfte erleben müssen, die zuvor Pearl Harbor angegriffen haben.
Der Film wird erzählt von einer dritten Hauptfigur, dem Mischling Nullah. Der uneheliche Bub einer von Weissen missbrauchten Aborigine-Frau lebt auf der Farm von Lady Ashley. Er erobert das zunchst kalte Herz von Lady Sarah Ashley.
Drehorte des Filmes
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Gedreht wurde vom 30. April bis zum 21. Dezember 2007:
Bowen (Queensland): Hier wurde die Hauptstrasse mit Kulissen verkleidet, um Darwin in der Vorkriegszeit darzustellen. Es wurden Rinderzäune aufgebaut und die Strassen mit rotem Staub gefüllt - 14. Mai bis 30. Juni 2007. Von den Dreharbeiten steht noch die Polizeistation in der Dalrympe Street. Als einziges Gebäude wurde sie nicht abgerissen. Auf den Spuren der Crew kann man heute im Lokal "Jochheim's Pies" z B "Crunchy Baz Baguette" bestellen.
Mehr Informationen über Bowen
In der Region Kununurra / Östliche Kimberlys (Westaustralien): Auf Carlton Hill Station (große Rinderfarm) und Digger's Rest entstanden die Szenen zu "Faraway Downs Homestead" (die Farm auf der Lady Ashley lebte) und im El Questro Wilderness Park, dem Purnululu National Park (mit der Bungle Bungle Range), der Digger’s Rest Station und im Gebirge der Cockburn Range. Gedreht wurde in der Region vom 6. August bis 8. September 2007.
Das erst 2008 eröffnete Öko-Resort "Home Valley" an der Gibb River Road bietet Touren zu Drehorten der Filmproduktion an.
Für den Film wurden eigens die in den 30er Jahren typischen Shorthorn-Rinder auf das Gelände der El Questro Station verbracht.
Während der Dreharbeiten war Kununurra Basis für die Crew. Täglich wurde zum Set auf dem Gelände der Carlton Hill Station mit Allradfahrzeugen gependelt.
Als "Darwin Government House" diente das Strickland House im noblen Vorort Vaucluse in Sydney. Die Villa wurde
auf dem Land von William Charles Wentworth erbaut, dem Begründer der ersten Verfassung des Staates New South Wales.
Ein nicht unerheblicher Teil des Filmes entstand in den Fox Studios in Sydney - 30. April bis 13. Mai 2007, 16. Juli bis 2. August 2007 und 9. September bis 21. Dezember 2007
Brandon Walters - mutmasslich DER Star des Filmes. Ein Aborigine-Junge aus Broome in Westaustralien. Er spielt auch in den Werbefilmen für Tourism Australia. Im Alter von sieben Jahren hatte Brandon Leukämie. Im Alter von 11 Jahren stand er für "Australia" vor der Kamera und hat alle Chancen Australiens neuer charmanter Sympathieträger Nummer eins zu werden - und somit in die Fusstapfen von Paul Hogan alias Crocodile Dundee zu treten. Entdeckt wurde er am Swimmingpool von einem Casting Director.
Vogue: Kleine Bildergalerie der Stars von Annie Leibowitz - In ihrem typischen Stil, der an kunstvolle Gemälde erinnert, hat die Fotografin u.a. Hollywood-Star Nicole Kidman und ihren Filmpartner Hugh Jackman am Set von Australia abgelichtet.
Film-Promotion-Aktionen
Zur Bewerbung des Filmes gibt es eine Reihe von Aktivitäten:
Appetizer
Unter videoload.de/australia werden Video-Podcasts online gestellt über aufregende Jobs beim Film. Hergestellt wurden diese von Baz Luhrmann. Sie zeigen am Beispiel der Entstehung seines neuen Films die Arbeit verschiedener kreativer Berufe hinter der Kamera: Stunt Supervisor, Kostümbildnerin, Location Manager, Kamera, Standfotograf, Ton, Casting und Schnitt. Insgesamt zehn
Video Podcasts werden hier nach und nach online gehen. Versprochen werden Bilder und exklusive Filmausschnitte des Films "Australia" und Einblicke in den kreativen Prozess des Filmemachens.
Videoload
Kurzfilm-Wettbewerb
Das Thema ist "Sehnsucht Australien". Eingereicht werden können Kurzfilme im Genre Fiktion und Dokumentarfilm bis zu einer Länge von drei Minuten, sowohl Realfilm wie auch Animation, beides ist möglich). Für Profifilmer winken 5000 Euro Geldpreis und die Ehre haben, bei der großen Deutschlandpremiere von Australia als Vorfilm gezeigt zu werden. Der Gewinnerfilm hat die Chance auf die spätere DVD aufgenommen zu werden. Für Hobby-Filmer ist der erste Preis ein Flug nach Australien für zwei Personen.
Videoload: Kurzfilmwettbewerb zu "Australia"
Schaufensterdeko
November 2008: Rund 300 Reisebüros der "Lufthansa City Center" Gruppe dekorieren ihre Schaufenster zum Film "Australia" und verlosen Tickets für die Premiere des Filmes in Berlin. (Kooperation auch mit DerTour und Meier’s Weltreisen)
Andreas Conrad vom Berliner Tagesspiegel steigt in seinen Bericht von der Pressekonferenz in der australischen Botschaft am 12. Dezember ein mit der Frage von Hugh: "El Questro - kennt das einer?". Und dann beginnt der Abschnitt den bei Tourism Australia hoffentlich jemand im O-Ton mitgeschnitten hat: "Hugh Jackman schwärmt: Was für ein Ort! Eine touristisch erschlossene Rinderranch westlich von Kununurra, das Outback in schönster Form. Ideal, um das Basiscamp für die Dreharbeiten zu "Australia" einzurichten - die Landschaft majestätisch, voller Magie, wo die Insignien urbanen Lebens, TV, Computer, Handy, täglich bedeutungsloser würden. Der Ort zudem, an dem er - "diese Stille der Nacht" - so gut geschlafen habe wie nie." Dann lässt sich auch klären ob Jackmann wirklich Kununurra versehentlich ins Northern Territory verlegt hat. Faktisch liegt der Ort in Westaustralien. Bei Andreas Conrad vom Tagesspiegel kam die Jackmann'sche Schwärmerei an: "Ach, man möchte sich sofort ins Flugzeug setzen nach dieser Schwärmerei für den fünften Kontinent. Denn dazu geriet die Pressekonferenz am Freitagvormittag in der australischen Botschaft in der Wallstraße streckenweise. Auf dem Podium drei Australier: in der Mitte Jackman, diesmal raubeiniger Viehtreiber mit Charme, flankiert von Regisseur Baz Luhrmann und seiner Frau Catherine Martin, erneut zuständig für Kostüm- und Produktionsdesign." Die Botschaft aus der Botschaft kam wohl an. Mission completed. Und der australische Steuerzahler, der einen ordentlichen Batzen der Produktionskosten mitträgt wird es hoffnungsfroh hören, dass zumindest Jackman nun wirklich sein Geld wert ist und das Bild des charmant-eloquenten Australiers kommuniziert wie kaum ein anderer.
TV-Auftritt
Sa 13. Dezember 2008: Nicole Kidmann und Hugh Jackman waren zu Gast in der ZDF-Sendung "Wetten dass?" in Stuttgart:
Die australische Tourismusbranche dürfte bei PR-Terminen wie Wetten dass? geschluckt haben, als Thomas Gottschalk nur wenig Begeisterung für das Reiseziel Australien erkennen ließ (sinngemäß "finde ich überhaupt nicht interessant") und nur den Film lobte. Aus Sicht des Kulmbacher Weltbürgers trinken die Australier auch ganz gern. Das fand nun wiederum Nicole Kidman irgendwie ein ziemlich langweiliges Gesprächsthema. Wie sie offensichtlich generell froh war diesen PR-Termin abhaken zu können. Kidman verlor ihre Wette und beinahe die Fassung sowie ihre recht sterile Grins-Mimik: Zwei Norddeutsche hatten es nicht geschafft, in vier Minuten mit einem Bagger 250 Meter weit zu rudern. Darum sollte Kidman auf einem Didgeridoo spielen. Und da kamen wohl zwei Facetten Australiens zusammen wie sie entfernter kaum sein könnten: Ein zickig wirkende Dame die wohl über wenig Humor verfügt und das klassische australische Musikinstrument. Angeblich hatte Frau Kidman noch nie das Didge gespielt. Warum fallen einem in solchen Momenten immer wieder die Berichte ein, die Nicole Kidman als überbezahlteste Schauspielerin bezeichnen? Tim Nocken fällte in der Rheinischen Post sein Urteil: "Die Kidman tat keiner Fliege etwas zu leide, aber sie blieb so blass wie ihre Gesichtsfarbe." Kidman könnte aber auch einfach schlechter Laune gewesen sein, da ihr das Magazin Forbes vorrechnete, dass sie die unrentabelste Schauspielerin Hollywoods sei, sofern Australia sich als ihr vierter Flop in Serie zeige. Mit dem Imagewandel war es wohl weder im Film noch im TV-Auftritt was. Kidman hat zu wenig Fans. Männer gehen wegen ihr kaum ins Kino und Frauen tun sich schwer sich mit ihr zu identifizieren. Die Lady Ashley, die sie im Film verkörpert, hat eine zauberhafte Verwandlung erlebt und am pfeift am Ende auf ihre Garderobe wenn sie durch die Wildnis galoppiert. Nicole Kidman selbst erinnerte bei ihrem Auftritt in Stuttgart eher an eine höchstdisziplinierte Dressurreiterin. Dafür hat Hugh Jackman nun wirklich alles richtig gemacht. In der 155 Minuten langen Ausgabe von Wetten dass? bewies Jackmann Sitzfleisch. Die Sendung war in sofern eine gute Übung weil sie nur 11 Minuten kürzer war als der 166 Minuten lange Film Australia. Hauptdarsteller Jackman verkauft diesen Film professionell, glänzend und charmant. Und das das nicht nur wenn er der deutschen Familienministerin von der Leyen aus einer Mülltonne hilft.
Der Film wurde am 18.11. in Sydney und auch an den Haupt-Drehorten Darwin (Northern Territory), Kununurra (Westaustralien) und Bowen (Queensland) zeitgleich vorgestellt.
Der 9500-Einwohner-Ort Bowen hofft durch den Film zu touristischer Relevanz zu kommen, bis dato war der Flecken für Mangos und Bergbau bekannt. Gerade weil am Straßenbild Bowens die letzten Jahrzehnte vergleichsweise spurlos vorbei gingen und dort eben nichts spektakuläres passierte, war es vergleichsweise leicht den Ort in das Darwin von 1939 zu verwandeln.
In Kununurra wurde eigens für das Ereignis das "Picture Garden Kino" mit einem roten Teppich versehen und als Prominenten nahmen dort u.a. der Oppositionsführer Malcolm Turnbull teil.
In Darwin nahmen in der Crocosaurus Cove bei der Premiere auch Einwohner teil die in den 40er Jahren während der Angriffe evakuiert werden mussten. Vor Ort war auch der Aboriginal Schauspieler Angus Pilakui der als Goolaj im Film auftaucht. Die Hauptfigur des Filmes Lady Sarah Ashley taucht in der Filmhandlung zu einem Zeitpunkt in Darwin aus als die Stadt am 19. Februar 1942 von japanischen Bombern angegriffen wurde und 243 Australier starben. Ebenfalls in die Zeit der Filmhandlung fällt die Verschleppung von Kindern der Ureinwohner in Umerziehungslager, die auch schon im Film "The Long Walk Home" thematisiert wurde. Der Film greift dieses Thema ebenfalls auf. Für zahlreiche Premierenbesucher in Darwin war dies eine eindrucksvolle Begegnung mit ihrer persönlichen Vergangenheit.
In Sydney wurden die Stars des Films von zirka Tausend Fans auf der für den Verkehr gesperrten George Street vor dem Greater Union Multiplex-Kino begrüßt. Unter den Premierengästen auf dem 135 m langen roten Teppich waren unter anderem auch der weltweit bekannte Ex-Schwimmer Ian Thorpe und die Musikgruppe The Veronicas oder Peter Garret (Ex-Midnight Oil). Das Wetter war allerdings durch kräftige Schauer nicht ganz auf Seite der Fans.
USA
24.11.2008
New York: Direkt vor Thanksgiving, traditionell einem der wichtigsten Kinostart-Tage in den USA fand die US-Premiere des Films statt.
Deutschland
12.12.2008
Berlin: An Stelle einer Premiere gab es nur ein "Vorabscreening" für geladene Gäste im Cinestar in Berlin, weil aus nicht bekannten Gründen - aber zur Enttäuschung vieler - leider nicht für eine richtige Deutschland-Premiere gerecht hat.
Kritiken
Der Film erhielt im Vorfeld Etiketten wie "meisterwarteter Film aller Zeiten", "historisch für das australische Kino". Mehr und mehr wurde die Erwartungshaltung in schwindelerregende Höhen getrieben und somit auf ein Niveau wonach eine Enttäuschung umso wahrscheinlicher ist. Dank des Ein-Wort-Titels "Australien" lud Luhrmann gleichzeitig die Skeptiker ein den Film schon zu kritisieren bevor überhaupt irgendjemand den Film sah.
Das erste Echo der Kritiker über das 166-Minuten-Werk ist gemischt. Der Sydney Morning Herald urteilte dass das Werk etwas zu üppig und zu opulent ausfiel ("too much of everything"). In der Summe wird der Film als gut, aber ohne das Zeug zum Klassiker gesehen. Die Erwartungshaltung an das Werk war und ist riesengroß. Letztlich sehen die Kritiker in dem Streifen eine etwas allzu üppig geratene Melange aus "Pferdeflüsterer" und anderen Erfolgsfilmen, die primär bei weiblichen Kinogängern zünden. Die orangenen Himmelsfarben erinnern unweigerlich an orange "Gone With The Wind". Lady Sarah Ashley könnte verwandt sein mit Karen Blixen aus "Out Of Africa". Drover erinnert wiederum irgendwie an Hepburn und Bogart in "The African Queen". Und die zuweilen recht zügige Schnittfolge, die bereits in den Einstiegssequenzen zu sehen ist, weckt unweigerlich die Erinnerung, dass Chefkoch Luhrmann auch schon "Strictly Ballroom" serviert hat. Und unter Bloggern erhielt der Film auch schon mal das Etikett "die australische Antwort auf Titanic". Ein bisschen erinnert dieses Deja vu-Spielchen also an das beliebte Amazon-Feature "Wenn Ihnen dieser Film gefallen, hat gefällt Ihnen vielleicht auch…" Eben vielleicht. Oder doch "relativ wahrscheinlich"?
Dem Film wird aber von den Kritikern auch durchaus die Qualität zugesprochen mitreißend und fesselnd zu sein. Und schon die Trailer ließen ja vermuten, dass es Luhrmann gelingt der Australischen Landschaft und hier insbesondere die "Naturbühne" der westaustralischen Kimberley eindrucksvoll in Szene zu setzen. Wer also die Wahl hat wo er sich den Film ansieht sollte ultimativ das Kino mit der größten Leinwand in seiner Region suchen - dieser Film wurde ganz klar für opulente Darstellung im XXXL-Format gedreht. So schneidet der Film im Urteil einzelner Kritiker ab:
Sydney Morning Herald (Sandra Hall): Gut aber kein Klassiker und vor allem viel, viel zu lang. Australia ist kein schlechter Film, aber weit davon entfernt ein guter zu sein und auch nicht dazu bestimmt ein Klassiker zu werden. Ein Publikumserfolg dürfte er dennoch werden, da er nach einem erfolgsversprechenden Strickmuster erstellt wurde: Der Film zielt auf Frauen als Publikum ("chick-flick") und bietet eine schwelgende, melodramatische Saga über Viehtriebe, die verlorene Generation (der Versuch der Umerziehung der Aboriginal People in weißen Familien und Lagern),
The Australian (David Stratton): "Es ist nicht das Meisterwerk, dass wir uns erhofften, aber ich denke man könnte sagen, dass es ein sehr guter Film in vielerlei Hinsicht ist. … Luhrmann inszeniert wie schon in seinen früheren Filmen "Strictly Ballroom", "Romeo & Julia" und "Moulin Rouge" sehr theatralisch. Es ist eine große Komposition für das Auge und der Film bietet wunderschöne Bilder … Der Film dürfte sehr beliebt werden, trotzdem ist er auch irgendwie ein wenig enttäuschend. Schauerspielerisch ist er durchaus auf hohem Niveau, insbesondere weil die Schauspieler zu einem besonders theatralischen Spiel angeleitet wurden. Nicole Kidman spielt überzeugend die anfänglich steife, unbeholfene und naive Engländerin, die zum Ende des Filmes sic in einen warmherzigen, mitfühlenden Charakter verwandelt. Hugh Jackman hat enormes Charisma und Charme und auch die weitere Besetzung spielt gut."
The Daily Telegraph: "Baz Luhrmann's heiß erwartetes Epos über den zweiten Weltkrieg macht aus dem australischen Outback eine monumentale Theaterbühne. Die Strahlkraft von Kidmans Leinwandpräsenz lässt nichts zu wünschen übrig … und sie wird außergewöhnlich gut ins Licht gesetzt - sowohl ins natürlich wie auch in das künstliche." Der Einstiegssatz der Kritik des Daily Telegraph müsste den Tourismuswerbern aus dem Nordwesten Australiens wie Öl runter gehen: "Wenn die ganze Welt eine Bühne wäre, dann wären die Kimberley die Hintergrundkulisse für Gottes eigenen Bereich."
Canberra Times (Jim Schembri): "Der Film hat zahlreiche Längen .. . und erinnert zuweilen an eine Dampfwalze mit Motorproblemen"
The Courier-Mail (Des Partridge): "Der Film dürfte wohl nicht australische Klassiker wie Gallipoli, Muriel's Wedding oder Newsfront als Allzeit-Favoriten ablösen aber er ist ein hierzulande produzierter Film, der es verdient es gesehen zu werden (was man nicht von vielen jüngstn australischen Produktionen behaupten kann)".
"Diese Art von Kino ist ein cineastisches Erlebnis. Es ist nicht nur ein Essen, sondern ein ganzes Menü: ein bisschen Komödie als leichte Vorspeise, Drama als Hauptgericht, dazu Nachtisch und reichlich Wein, für jeden etwas", erklärte Regisseur Baz Luhrmann in New York vor Journalisten sein Konzept. Ein bisschen fühlt sich der Zuschauer allerdings nach über drei Stunden im Kinosessel genauso wie nach der Weihnachtsgans und dem Plätzchenteller: zuviel des Guten.
Der Kritiker des Rolling Stone verglich Luhrmanns "Australia" mit einem luxuriösen, aber holprigen Fahrvergnügen: "Wie ein Rolls-Royce auf einer Landstraße - die ist voll mit Schlaglöchern, aber man kann sich nicht über die Sitze beschweren".
Body of Australia: Hugh Jackman
Nachdem die PR-Welle zum Film Australia über Deutschland hinweg spülte auch hier eine erste Bilanz: Die Hauptdarstellerin Nicole Kidman spielt für diesen Film und erst recht bei seiner Bewerbung nur die zweite Geige. Hauptdarsteller Jackman verkauft diesen Film professionell, glänzend und charmant. Jackman wurde im Dezember 2008 nicht nur zu "sexiest men alive" gekürt sondern darf auch im Februar 2009 die Verleihung der Academy Awards moderieren. "Australien ist eben Hugh" .. wobei die Doppeldeutigkeit eines gesprochenen Wortwitzes leider im Text nicht rüber kommt, denn Australien ist eben auch "huge". Sei's drum - auch der Film Australia hat seine Längen, da dürfen es die Pointen zum Einstieg der Kritikübersicht auch haben. Der Film ist zuweilen manchmal schließlich auch etwas flach. Eben etwas für die Breitbildleinwand und für alle die das Genre "Epos" lieben. Und nicht zu vergessen "Body": Die Zuschauerinnen dürften sich über einen bärtigen Beau freuen mit einem Brustkorb, der die den Mythos des australischen Mannes mit einer anderen Wendung versieht als dies bei "Crocodile Dundee" der Fall war. Die Geschichte ist einfach zu klischeehaft um wirklich ganz großes Kino zu sein. "It's the story - stupid" möchte man ausrufen.
Christian Mayer von der Süddeutschen sieht in Hugh Jackman einen Kerl wie ein Kontinent und Australiens besten Werbeträger. Er sei das Abbild des australischen Beachboys, der sich mit Golf, Surfen und Jo-Jo stählt. Es spielen "der Harte und die Zarte" - Jackman & Kidman, die schon einmal gemeinsam ein Pinguin-Paar synchronisieren durften: Es hätte so schön werden können. Es wurde aber "nur" ein Schachtfetzen, der für manche männlichen Begleiter im Kino eher ein Liebesbeweis des Erduldens sein dürfte, denn ein cineastischer Genuss. Zu fett, zu süß. Ein bisschen so, wie sich viele Australier gerne ernähren.
Martina Meister von der Frankfurter Rundschau sah Kleenex-Kino mit einer Nicole Kidmann die Blockbuster-tötend sein kann - eben "schön und steif".
Das Heute-Journal zeigte sich am Donnerstag 11.12.08 begeistert: "Zweieinhalb Stunden verschwenderische Filmbilder und eine Story zum Mitheulen. Alte epische Streifen der Filmgeschichte lassen grüßen und die Kimberleys sind die perfekte Kulisse für die neue Cowboy-Saga. ... Der Film - ein endloser Werbespot für Australien, doch ebenso eine Entschuldigungsgeste an die Aborigines. ... Liebe, Drama, Verrat, Tragik, Tiere, Landschaft, Krieg, Kitsch - opulent und herzerweichend. Aber es ist wie mit der Weihnachtsgans - einmal im Jahr darf man ja wohl."
Matthias Lerf von der Schweizer Sonntagszeitung überschreibt seine Rezension mit "Austraalliiaaaa". Drei Stunden von allem etwas: Melodrama, Western, Gründerepos, Musical und Kriegsfilm. Luhrmann wollte aus Sicht von Lerf das definitive Australien-Epos schaffen, dargeboten von der Spitze der einheimischen Schauspielergarde. Mit jedem Bild, mit jeder Anspielung buhlt er um die Gunst des Publikums. Das ist zu viel. Und doch so kräftig, dass man sich diesem altmodischen Unding von einem Film über weite Strecken nicht entziehen kann.
Silke Janovsky sah "Kitsch de Luxe" und hat für die Rezension in der Netzeitung ebenfalls eine süffisante Headline gefunden. Ihr Fazit: "Pompöses Liebes-Tamtam im Outback". Mit gezielter Feuchtigkeitsberieselung, denn wenn das Glück des Paares quasi vollkommen ist, regnet es in dem ansonsten recht trockenen Land. Janovsky rutscht bei diesen Szenen beschämt etwas tiefer in den Kinosessel. Mitunter ein wenig peinlich wirke auch der Topos, dass ferne Länder und wilde Landschaften die inneren Reisen der Protagonisten zu der eigenen, bisher unentdeckten, Persönlichkeit verbildlichen. Ooopps - genau auf der Welle reitet im Moment die australische Fremdenverkehrswerbung. Zumindest die Autorin der Netzeitung findet diese Idee der Tourismuswerber wohl "net originell". Die aufwändig inszenierte Liebesgeschichte findet Janovsky "so überraschend wie ein Känguru in der australischen Steppe". In Ihrer Einleitung geht sie noch einen Schritt weiter: "Einer Legende nach bedeutet Känguru in einer der Sprachen der Aborigines: "Ich verstehe nicht" und war die Antwort der Ureinwohner auf die Frage von Briten (natürlich auf Englisch), was denn das für ein Tier sei. Genauso wenig dürften die Ureinwohner Australiens den neuen Film von Baz Luhrmann verstehen." Ganz so stark wie von Janovsky vermutet, ist die Ablehnung des Filmes in Australien durch die Ureinwohner jedoch nicht - wie wir unter anderem vom Echo nach der Premiere in Darwin auch berichtet haben.
Stefan Stosch von der Peiner Allgemeinen sah "Singsang im Outback" und beurteilt im übertragenen Sinne als "so lala". Aus seiner Sicht hat Baz Luhrmann eine große Liebesgeschichte verpatzt. Dafür sah Stosch einen XXXl-Werbeclip voller Australien-Klischees: "Luhrmann hat geliefert, was die Herzen von Reiseunternehmern höher schlagen lässt. Australien scheint in "Australia" wahlweise aus glühenden Sonnenaufgängen oder aus glühenden Sonnenuntergängen zu bestehen. Aborigine-Großväter stehen auf Bergkuppen mit dem Speer in der Hand herum und ersingen sich ihre Welt - "Traumpfade"-Autor Bruce Chatwin hätte seine Freude daran. Jedes Bild erzählt von einer rauschhaften, überwältigenden Natur, die allerdings mit enormer künstlich-digitaler Hilfe herbeigezaubert wird."
Popularität
Australien: Der Film blieb an der Kinokasse in der ersten Woche unter den Erwartungen. In der ersten Kinowoche spielte der Film 7 Mio. AUD ein. Der eine Woce zuvor gestartete James Bond Film "Ein Quantum Trost" erreichte in der ersten Woche 9 Mio. AUD Umsatz. Schon der erste Kinotag war im Vergleich signifikant schwächer: Am ersten Tag spielte Australia in Australien 1,3 Millionen AUD ein, 700.000 AUD weniger als der neue James Bond Film eine Woche zuvor. Die Medien in Australien schrieben bereits dass der Verleiher Fox "ein Quantum Trost" benötige ob dieses eher mässigen Starts im Vergleich zu dem Wirbel vorab, der den Film begeleitet hat.
Nachfrage im Kino: Motion Picture Distributions Assoc. of Australia
USA: In der ersten Woche spielte der Film lediglich 20 Millionen USD ein. Die Konkurrrenz von einem Weihnachtsfilm wie "Four Christmases" scheint hart gewesen zu sein. In der ersten Woche erreichte der Film nach Umsätzen nur den enttäuschenden fünften Platz hinter "Four Christmases" (der 46 Mio USD einspielte), Bolt, Twilight und James Bond - Quantum of Solace. Für einen Film der als "australische Antwort auf Titanic" in die amerikanischen Kinos kam, kann das nicht zufrieden stellen.
Tourismus-Werbung
Tourism Australia veröffentlichte am 8. Oktober 2008 korrespondierend zum Film zwei Werbefilme: Dabei handelt es sich nicht um Filme die Werbung für den Film machen sondern die Storyline reflektieren: "In Australien zu sich selbst finden". Luhrmann stellt in seiner Mini-Geschichte die Personen in den Mittelpunkt die in Australien zu sich selbst finden: eine gestresste Geschäftsfrau in New York und einen Büroarbeiter aus Shanghai. Australien soll als die Alternative zum stressigen Alltag positioniert werden und den Reisenden als "neuen Menschen" wieder zuhause ankommen lassen. Die Filme kam ab Dezember 2008 auch im deutschsprachigen Markt zum Einatz.