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Als 1788 die Engländer mit einer aus elf Schiffen bestehenden Flotte in Sydney einliefen, lebten dort die Ureinwohner, die so genannten Aborigines. 50.000 Jahre hatten sie bereits hier gelebt. Heute, nach über 200 Jahren, hat sich ihr Schicksal drastisch verändert. Viele sind entwurzelt und leben in Slumgebieten wie zum Beispiel dem Stadtteil Redfern. Sie sind gezeichnet von Drogen- und Alkoholkonsum und geraten dadurch immer wieder in Polizeigewahrsam. 'SF Spezial' zeigt am Beispiel eines Aborigine, wie sein tägliches Leben vom Umgang mit der Polizei geprägt ist.
Neben San Francisco hat Sydney wohl die grösste Schwulen- und Lesbengemeinde. Der alljährlich im Februar stattfindende Mardi Gras, ein schillernder Umzug von üppig oder knappstens kostümierten Gays und Lesben zeigt, welche Bedeutung dieser Lebensstil auch als Wirtschaftsfaktor besitzt. Alljährlich generiert das grösste Happening Australiens (1999: 700.000 Besucher) etliche Millionen Dollar.
Australien ist ein Land, in dem immer wieder Naturkatastrophen wüten. Ende April 1999 ging über Sydney ein extremes Hagelgewitter nieder, das viele Quartiere der Stadt heimsuchte (AUSTRALIEN-INFO.DE berichtete). Die teils melonengrossen Eiskörner richteten Riesenschäden an. Die Feuerwehr, die normalerweise Buschbrände zu löschen hat, ist zu einem besonderen Einsatz gekommen: Sie musste Tausende von Dächern mit Planen abdecken, um die Häuser vor den nachfolgenden Regenfällen zu schützen. 'SF Spezial' konnte bei der aussergewöhnlichen Aktion mit dabei sein.
Das Land um Mount Arrowsmith ist aber auch Land, das von den Känguruhs als Weidegrund benützt wird. In trockenen Jahren kann es dabei im Zusammenleben zwischen Schafen und Känguruhs zu Problemen kommen. Kein Wunder, dass die Schafbesitzer nicht unbedingt erfreut auf die immer grösser werdenden Känguruhbestände reagieren. Um die Populationen tief zu halten, aber auch um sich eine zusätzliche Einnahmequelle zu erschliessen, jagen professionelle Jäger Känguruhs und schicken das Fleisch in die grossen Städte, wo es entweder für den menschlichen Konsum oder als Büchsenfleisch für Haustiere verwendet wird. 'SF Spezial' war auf einer Kängurujagd dabei und zeigt, dass auch im australischen Outback die Hege von Wildtieren nötig ist.
Wie lebt sich's auf einer Schaffarm? Mit welchen Alltagsproblemen ist Annie O'Connor draussen im riesigen Outback konfrontiert? Was, wenn sie hunderte von Kilometern vom nächsten Spital entfernt krank wird? 'SF Spezial' hat einen Einsatz der Royal Flying Doctors beobachtet und dabei festgestellt, dass auch komplizierte Ferndiagnosen über viele hundert Kilometer hinweg möglich sind.
Jedes Jahr im Mai findet auf Mount Arrowsmith die grosse Schafschur statt. Eine Gruppe von Männern zieht von Farm zu Farm - oder Station zu Station, wie es in Australien heisst - und entledigt die Schafe in Akkordzeit ihrer Wolle. 'SF Spezial' zeigt, wie Annies 10.000 Schafe diese Prozedur über sich ergehen lassen.
Im Bergbauort Broken Hill lebt der Aborigine-Künstler Badger Baits, der mit der weissen Frau Sarah verheiratet ist. Er stellt Linoleumdrucke her, deren Sujets aus der Seelenwelt der Ureinwohner stammen. 'SF Spezial' hat ihn besucht und sich dabei selber überzeugen können, welche Kraft aus diesen Bildern strömt.
Nächste Station ist William Creek, der kleinste Weiler in Südaustraliens Outback. Der Weiler besteht aus einigen Häusern, einem Hotel, einer Tankstelle, einem Freilichtmuseum, drei Parkingmetern, einem kleinen Flugfeld und einer solarbetriebenen Telefonkabine. 13 Menschen leben hier, denen der Bürgermeister - oder Präsident, wie man in William Creek sagt - Bernie Stephens vorsteht. 'SF Spezial' stellt etliche der Bewohner von William Creek vor, so zum Beispiel den Umweltschützer Phil Gee und seine Frau Ifetta, dann die Hotelbesitzerin Helen Anderson, die sich keinen schöneren Ort als William Creek vorstellen kann, und den Traktorfahrer Peter White, der die Grossstadt Sydney verlassen hat und schon seit über 20 Jahren in William Creek lebt. Einmal im Jahr wird der kleine Ort jedoch zum Zentrum der australischen Welt. Zwischen 600 und 800 Menschen nehmen am alljährlichen Gymkhana teil, einem sportlichen Wettkampf, hunderte von Kilometern von jeglicher grösseren Stadt entfernt. 'SF Spezial' hat erlebt, wie William Creek ein ganz anderes Gesicht bekommt.
Wegen der Temperaturen ist es in Coober Pedy im Sommer fast nicht zum aushalten. 50 Grad Hitze oder mehr sind keine Seltenheit. Darum arbeiten die Menschen mit Vorteil nicht nur unterirdisch, sondern haben gleich auch ihre Wohnungen in Höhlen oder ausgedienten Minenstollen eingerichtet. Die Vielfalt der "Dug-outs", der unterirdischen Wohnungen in Coober Pedy, ist so gross wie in herkömmlichen Städten. Von der einfachen Höhle bis zum durchgestylten unterirdischen Haus findet sich für jeden Geschmack eine Wohnung. Sogar die Kirchen sind unterirdisch angelegt, für den Besucher ein grosses Erlebnis. Am höchsten Feiertag der Serben, dem Tag des heiligen Georg, wird 'SF Spezial' ebenfalls anwesend sein.
Doch nicht alle in Coober Pedy schürfen nach Opalen. Jeff Boland zum Beispiel ist mit der Überwachung von etwa 400 Kilometern des rund 5600 Kilometer langen Zaunes gegen wilde Hunde, Dingos, beschäftigt. Dieser rund zwei Meter hohe Zaun, der im Süden Australiens von Osten nach Westen verläuft, soll die Dingos davon abhalten, in die Gebiete, wo sich die grossen Schafherden befinden, einzufallen.
In Alice Springs kommt eine andere Seite der Welt der Aborigines zum Vorschein. Dort, am berühmt berüchtigten Todd River, zeigt sich jeden Tag dasselbe Bild: Betrunkene, von Alkohol zerstörte Aborigines, die herumliegen und von den Sozialdiensten aufgegriffen und immer wieder neu betreut werden. Warum kommt es überhaupt so weit? Die Angehörigen der australischen Urbevölkerung sind stark mit ihrem Land, ihrem Boden verbunden. Sie leiten ihre Existenzberechtigung direkt aus dieser Beziehung zum Boden ab. Wird ein Aborigine aus irgend einem Grund von seiner Gemeinschaft verstossen, verliert die Person den Bezug zu seinem Land, wo sich die heiligen Stätten befinden. Dieser Verlust wird als so radikal empfunden, dass das seelische Gleichgewicht empfindlich gestört wird. 'SF Spezial' hat aber auch Aborigines in Alice Springs gefunden, die es geschafft haben, aus diesem Teufelskreis der Selbstzerstörung auszubrechen.
In Kalgoorlie ist der Chef des weltweit grössten Polizeireviers stationiert: Daryl Balchin ist Kommandant eines Gebietes, das rund zehn Mal so gross ist wie die Bundesrepublik Deutschland. 'SF Spezial' fliegt mit ihm zu einem seiner regelmässigen Besuche in einer Aboriginal Gemeinde in der gottverlassenen Weite des Outbacks. Er vermittelt einen Eindruck vom Leben in einer wirtschaftlich unterentwickelten Gegend. Kalgoorlie bietet aber auch Unterhaltung der eigenen Art, möglicherweise typisch für einen isolierten Ort mit Goldgräberstimmung: In den Bars servieren barbusige Frauen. Das Rotlichtgebiet ist klein und lebendig. Lokale Besonderheit: Die Besitzerin eines Bordells - Madame Leigh - hat sich auch für die Stadtratswahlen aufstellen lassen. Die Dame, die früher ein Mann war, ist nicht nur stadtbekannt, sondern auch anerkannt und wird respektiert. Sie erhält z.B. Einladungen zu Lions- und Rotarierclub-Meetings, um über ihre Erfahrungen zu referieren. Madame Leigh erzählt aus ihrem prallen Leben.
Doch nicht nur Schweizer Weinhilfe soll beleuchtet werden: Es ist schon fast Tradition in Australien, dass sich Ärzte als Winzer betätigen und hervorragende Gewächse gedeihen lassen. Michael Peterkin ist so ein weinproduzierender Arzt, sein "Pierro Chardonnay" wird zu den besten der Welt gezählt.
Margaret River und der Südwesten von Westaustralien sind bekannt für ihre wunderschönen Wälder mit den Karri Bäumen. Doch um die Wälder ist jetzt eine grosse Kontroverse entbrannt: Die staatliche Naturschutzbehörde, die zwar viel für den Wald tut, holzt zugleich auch den alten Baumbestand ab. Das hat nun umweltbewusste Westaustralier auf den Plan gerufen, die sich lautstark für den stillen, alten Wald einsetzen.
Perth und sein Vorort Fremantle stehen ebenfalls im Mittelpunkt dieser Sendung. 'SF Spezial' taucht einerseits ein in die robuste Lebensfreude der reichen Stadt Perth und lernt einen ihrer leisesten, aber zugleich wohlbetuchtesten Millionäre kennen. Zum andern gilt der Besuch dem ehemaligen Staatsgefängnis, das 136 Jahre lang kleine und grosse Gauner beherbergte, bis es jetzt zu einer der interessantesten Sehenswürdigkeiten des Landes umfunktioniert wurde. Das Gefängis erzählt nicht nur Geschichten von Verbrechern, sondern ist auch ein Zeitzeuge der ehemaligen Besiedlungspolitik Australiens. "Fremantle Prison" wurde nämlich von britischen und irischen Sträflingen erbaut, die im letzten Jahrhundert zum Teil schon wegen kleinen Delikten von England hierher verbannt wurden.
Ein weiteres Tierthema ist das "Projekt Eden". Auf der Halbinsel Peron ist das paradiesische Gleichgewicht der dort beheimateten Tiere aus dem Lot geraten: Von Siedlern importierte Tierarten wie Füchse und Katzen, die in die freie Wildbahn zurückkehrten, haben viele kleinere, hier ansässige Tiere praktisch ausgerottet. Jetzt hat man den Füchsen mit Gift und den Katzen mit Fallen den Garaus gemacht - das ursprüngliche Eden kann so langsam wieder gedeihen.
Exmouth war im März 1999 in den Schlagzeilen (AUSTRALIEN-INFO.DE berichtete): Das kleine Dorf in schönster, wenig berührter Natur wurde von einem Zyklon, der mit 290 Stundenkilometern dahergefegt kam, fast dem Erdboden gleichgemacht. Natur ist hier das Thema: Einerseits die apokalyptische Wucht entfesselter Kräfte, mit denen die Menschen hier leben müssen, anderseits die ergreifende Schönheit der Gegend. Bei Exmouth liegt das Ningaloo Reef, ein Unterwasser-Eldorado, das problemlos mit dem Great Barrier Reef konkurrenzieren kann - mit dem Vorteil, dass nur wenige von seiner Pracht Kenntnis haben. Die Unterwasserwelt ist fantastisch, und friedliches Schwimmen mit Walhaien gehört zu den eindrücklichsten Erlebnissen eines Tauchers.
Broome selbst ist ein internationaler Platz. Nebst den längst hier wohnenden Aborigines siedelten Engländer, Japaner und Chinesen; letztere sind traditionellerweise im Perlengeschäft zu Hause. 'SF Spezial' besucht eine Primarschule und vermittelt ein Gefühl von Multikultur. Im Speziellen gilt der Besuch einer Klasse, in der eine der zahllosen Aborigines-Sprachen gelehrt wird - als Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis.
In der Nähe vom Broome führt die Gibb River Road - eine legendäre Strasse - durchs Outback nach Kununurra: 700 Kilometer lang ist sie und nur von Mai bis Oktober offen, wenn sie wegen Regenfällen nicht zum Flussbett wird. Entlang dieser Abenteuerstrecke wohnen vereinzelt Menschen. Im vierradgetriebenen Vehikel geht die Reise dieser Strasse entlang.
Am Ende der Gibb River Road, in Kununurra, gibt es eine einzigartige australische Institution: den Ball der Junggesellinnen und Junggesellen. An diesem "Batchelors and Spinsters Ball" auf einem grossen Freigelände mitten im Niemandsland treffen sich hungrige und durstige junge Männer und Frauen zu einem meist derb-lustigen Landvergnügen. Der Ball stammt aus einer Zeit, als sich die isoliert lebenden jungen Menschen des Outback zwecks Heiratsabsichten einmal im Jahr zu einem regionalen Anlass getroffen haben.
Erster Halt: Victoria River Downs - eine berühmte Rinderfarm mit über hundertjähriger Geschichte. Hier arbeiten Cowboys - genannt Jackaroos - und Cowgirls - genannt Jillaroos. Hand in Hand verrichten sie alle Chargen, vom Hörnerstutzen übers Brandmarken bis zum Kastrieren der Tiere. Das Leben auf diesemBauernhof, der ungefähr ein Drittel so gross ist wie die Schweiz, ist voller zupackender "Action".
Zweiter Halt: Katherine. Hier lebt Bill Harney, Kind eines Engländers und einer Aborigine. Er wuchs zwischen den Kulturen auf. Wie kaum sonst jemand weiss er um beide Seiten, respektiert, ja lebt schwarzes wie weisses Erbe. Bill führt in die spannende Schöpfungsgeschichte der Aborigines ein und erzählt Geschichten aus dem Alltag der Schwarzen.
Dritter Stopp: Kurz vor der Endstation Darwin macht 'SF Spezial' Halt imVorort Humpty Doo und besucht Graeme Gow, den "Devil-Devil-Man". Der Mann ist ein menschliches Wunder. Er hat sich bereits 178 Mal von giftigen Schlangen beissen lassen, zum Teil als Überlebensexperiment für die Medizin. Graeme zeigt seine kriechenden Freunde (nicht nur Giftschlangen, sondern auch Riesenschlangen) und erzählt von den Erfahrungen die ergemacht hat, wenn das Gift im Körper zu wirken beginnt.
Östlich von Darwin im Arnhemland liegt Gove. Dieser Ort hat nationale Bedeutung erhalten, seit das Schweizer Unternehmen Alusuisse hier vor 25 Jahren mit dem Abbau von Bauxit begann. Der Boden gehört den Aborigines, und damitwar der Konflikt programmiert. Inzwischen sind sich aber beide Parteien nähergekommen. Das Zusammenleben der Aborigines mit der Aluminiumfirma (sie heisst jetzt Nabalco) ist zwar nicht frei von Nebengeräuschen, aber ein einigermassen gütlicher Weg konnte gefunden werden.
Ein Gespräch mit Patrick Dodson, einem Klartext sprechenden schwarzen Politiker und Philosophen, soll abschliessend Gegenwart und Zukunft der Aborigines beleuchten. Wie können zwei praktisch unvereinbare
Lebenshaltungen und Kulturen friedlich zusammen leben? Einfache Antworten sind
nicht zu erwarten.
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Informationen Stand 22.06.08