Einer der häufigsten Fragen bei Informationsveranstaltungen zu Australien und auf unserem Schwarzen Brett ist die nach der Sicherheit des Reisezieles. Zu bestimmten Zeiten hat dieses Thema besondere Konjunktur: So zum Beispiel während des Golfkrieges 1991, nach den Attentaten im Jahr 2002 und 2005 auf Australier in Bali und natürlich während des Irak-Krieges ab März 2003 begann. Die Anschläge von Madrid vom 11. März 2004, im Mai 2004 ein Video der Al-Qaida, dass explizit Australien als Ziel eines möglichen Terroranschlages definiert, der Bombenanschlag vom 9. September 2004 auf die australische Botschaft in Jakarta und last, but not least die vereitelten Anschläge in Australien im November 2005 - das waren alles beunruhigende Vorfälle.

Wir haben für Sie Quellen zur Sicherheitslage gesammelt, gesichtet und explizite Sicherheitshinweise einer Reihe von offziellen Stellen (wie den Aussenministerien diverser Länder) ausgewertet. Damit erhalten Sie einen umfassenden Blick über den "Tellerrand" der zum Teil eher recht kurz gefassten Einschätzung der Ministerien in Deutschland, Österreich oder der Schweiz hinaus.

Der Inhalt dieser Seite ist sicherlich nicht dass, was Sie auf der Seite eines Fremdenverkehrsamtes oder eines Reiseveranstalters finden werden. Sicherheit ist in der Reisebranche ein äußerst sensibles Thema. Kein Reiseveranstalter wirbt mit der Sicherheit. Ein Slogan wie "Mit der Sicherheit der TUI" wurde in den Neunziger Jahren auch schnell wieder eingestampft. Stefan Pichler, damaliger Chef von Thomas Cook (mittlerweile übrigens bei Virgin Australia), erklärte im Februar 2003 den schmalen Grat: "Wenn Sie zu viel aufklären, schüren sie die Angst bei den Leuten doch nur." (w&v, 7.2.03). Seit Januar 2003 geht beispielsweise der Studienreiseveranstalter Studiosus mit dem Thema offensiv um und informiert auf seiner Homepage die Kunden durch Pop-Up-Fenster über die aktuelle Situation einzelner Reiseziele.

Die britische Beratungsfirma Control Risks veröffentlicht eine "Risk Map. Sie soll vor allem Firmen, die Mitarbeiter ins Ausland senden helfen Risiken einzuschätzen. Die Informationen über Risiken sind aber auch für Urlauber recht interessant. Zu diesen Risiken zählen Betrug, Diebstähle, Sachbeschädigung, Überfälle, Entführungen und bewaffnete Übergriffe. In die Bewertung fließen sowohl längerfristige Entwicklungen in den einzelnen Ländern wie auch tagesaktuelle Ereignisse ein. Die Beratungsfirma stuft die Länder in Risikoklassen ein. Für Australien gilt zur Zeit die Einstufung in die Risikoklasse 'niedrig'.
Control Risks: Risk Map

Nachfolgend genannte Informationen für Australien unterscheiden sich im wesentlichen nicht von Sicherheitshinweisen, wie Sie sie - bei entsprechender Recherche - auch für Deutschland, Österreich oder die Schweiz zusammenstellen können.


Terror



Es gibt keine Geschichte terroristischer Aktivitäten in Australien selbst. Eine australische Baader-Meinhof-Bande bzw. eine "Down Under Ausgabe" der RAF ist gänzlich unbekannt. Umso sensibler reagiern die Australier auf die Ergeinisse der letzten Jahre.

Prägende Ereignisse

  • Unter den Opfern des Anschlags auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 waren auch zahlreiche Australier.
  • 92 australische Staatsbürger waren unter den 180 Toten des Anschlags in Kuta vom 16. Oktober 2002. Am 1. Oktober 2005 wurden erneut australische Bürger Opfer von Anschlägen auf Bali.
    2002 waren besonders jene Australier betroffen, welche in kleinen Landgemeinden leben. Die Mitglieder vieler lokaler Fussball- und Rugbyvereine hatten sich am Ende der Wintersaison zu ihrem traditionellen Ausflug nach Bali aufgemacht, vorwiegend Menschen im Alter zwischen 15 und 32 Jahren. Mancherorts kehrte ein Drittel der Mannschaft nicht mehr zurück. Die Berichterstattung in den ersten Tagen nach dem Attentat auf Bali war insbesondere im Fernsehen sehr gefühlsbetont. In allen Nachrichten-Sendungen der einzelnen Kanäle wurde – häufig rund um die Uhr - berichtet, wer an welchem Airport wieder zu Hause angekommen ist.
Alle 3 Ereignisse haben tiefe Spuren im Sicherheitsempfinden der australischen Bevölkreung hinterlassen.

Prävention

Die australische Regierung veröffentlichte im November 2002 eine Stellungnahme, wonach aufgrund zuverlässiger Informationen ein terrroristischer Angriff in Australien während der nächste Monate möglich sei. Genauere Anhaltspunkte zu Zeitpunkt oder konkreten Zielen möglicher Anschläge lagen nicht vor. Die australische Regierung rief die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit auf.

"Let's look out for Australia"
Eine Broschüre, in der die Regierung australischen Bürger Tipps für eine erhöhte Wachsamkeit gibt.
Vergleichbare Aufrufe gab es in den USA und Grossbritannien. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden landesweit drastisch verstärkt. Derzeit liegen jedoch noch keine genaueren Anhaltspunkte zu Zielen möglicher Terroranschläge vor. Genaue Kontrollen an öffentlichen Plätzen und verstärkte Überwachungen vor allem im Flugverkehr können zu Verzögerungen führen, die jedoch der zusätzlichen Sicherheit der Bürger und Reisenden dienen.


Gewaltverbrechen



Spitzenreiter in dieser Kategorie (Raubüberfälle, Vergewaltigungen, Mord und Mordversuche) ist Südafrika. In Südafrika, Grossbritannien und Frankreich ist die Zahl der Straftaten dieser Art in den letzten Jahren stark gestiegen; in den meisten westeuropäischen Ländern stagniert sie hingegen. In den USA gingen die Gewaltverbrechen in den 90er Jahren massiv zurück.

In Russland, den USA und Südafrika gibt es proportional zur Gesamtbevölkerung die meisten Strafgefangenen. Von allen EU-Ländern hat Portugal die meisten Häftlinge, gefolgt von Grossbritannien.

Mord

In Australiens jüngster Geschichte gab es einige spektakuläre Mordfälle.
  • Zwischen 1989 und 1992 ermorderte der Bauarbeiter Ivan Milat (auch bekannt als der "Rucksackörder") sieben Touristen. Diese Morde wurden u.a. in einem deutsch-/australlischen Spielfilm mit dem Titel "Abschied in den Tod" thematisiert, der bereits mehrfach im deutschsprachigen Fernsehen lief.
  • Am 28. April 1996 erschoss der damals 28-jährige Australier Martin Bryant 35 Touristen und Angestellte auf dem Gelände des ehenmaligen Gefängnisses von Port Arthur. 19 weitere Personen wurden verletzt. Bryant wurde zu 35mal lebenslänglich und zusätzlich 777 Jahren verurteilt. Gutachter bescheinigten ihm Schuldfähigkeit, aber die Intelligenz eines 11jährigen. Die Betroffenheit der australischen Nation war vergleichbar wie nach den späteren Tragödien von Zug in der Schweiz bzw. dem Amoklauf in einer Schule in Erfurt.
Diese sowohl spektakulären wie auch zutiefst bedauerlichen Einzelfälle sind dazu geeignet das Bild Australiens zu verzerren. De facto liegt Australien bei der Mordrate im internationalen Vergleich jedoch erfreulich weit hinten. Im internationalen Vergleich heisst der Spitzenreiter Südafrika wo 1999 56,5 Mordopfer je 100.000 Einwohner zu beklagen waren. Es folgen Russland (20,5) und die USA (6,3). Den schlechtesten Wert der westeuropäischen Staaten hat Spanien mit 2,6 Mordopfern pro 100.000 Einwohner. In Österreich fielen laut Opferstatistik 1999 insgesamt 61 Menschen einem Mord zum Opfer (das entspricht 0,76 pro 100.000 Einwohner). Die mit Abstand gefährlichste Grossstadt in den untersuchten Staaten ist die US-Hauptstadt Washington, Moskau liegt erst auf dem dritten Platz.

Vergewaltigung

Im internationalen Vergleich kann Australien als sichere Destination für alleinreisende Frauen bezeichnet. Alleinreisende sollten jedoch die gleichen Vorsichtsmassnahmen berücksichtigen wie in Mitteleuropa: Es wird davon abgeraten per Anhalter zu reisen oder alleine nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs zu sein.

06.10.02: Eine 26jährige deutsche Touristin wurde auf der Beaufort Street in Perth bewusstlos geschlagen und anschliessend von zwei Männern vergewaltigt. Ein ähnlicher Vorfall – ein Überfall auf eine Backpackerin aus Irland im April 2002 – führte in Irland zu einer Diskussion um die Sicherheit von Australien als Reiseziel für junge Frauen.

Entführung

Im Gegensatz zu anderen Urlaubszielen in denen entweder materielle Not oder politisch motivierte Aktionen Entführungen motivieren sind derartige Zwischenfälle in Australien äussert selten.

31.08.02: Zwei deutsche Touristinnen aus Nürnberg wurden im Litchfield Nationalpark (Northern Territory) Opfer einer mehrstündigen Entführung. Eine 50-jährige und ihre 16-jährige Tochter wurden zunächst angesprochen und in ein Gespräch verwickelt, bevor sie unter Waffengewalt in die Büsche gezwungen und an einen Baum gefesselt wurden. Darauf verschwand der Täter verschwunden. Den beiden Frauen wurde etwas weniger als 100 AUD Bargeld gestohlen. Erst gegen Mitternacht konnten sich die beiden befreien. (Ausführlicher Bericht im Newsletter 18/02)


Eigentumsdelikte



Australien schneidet hier - mit Abstand - am schlechtesten ab. Auf 100.000 Einwohner kommen 1480 Straftaten pro Jahr. Unter den westeuropäischen Staaten hat das Muttlerland Grossbritannien die schlechteste Position (835 Straftaten). Deutschland ist diesbezüglich am sichersten (182 Straftaten).

Autoaufbrüche

Bedauerlicherweise recht häufig. Wertgegenstände sollten keinesfalls - auch nicht für kurze Zeit - im Auto zurück gelassen werden. Besonders betroffen sind Parkplätze, an denen relativ viele Touristen klassischerweise zu längeren Wanderungen aufbrechen.

Taschendiebstähle

Begehrtes Diebesgut sind Handtaschen und Rucksäcke, die neben Wertsachen auch meist die Reisedokumente enthalten. Taschendiebstähle sind vor allem an Fluhäfen und in touristischen Zentren möglich. Das britische Aussenministerium nannte zum Zeitpunkt unserer Recherche als Gebiete in den erhöhte Vorsicht angebracht ist explizit Cairns, die Gold Coast und das Viertel Kings Cross und der George Street in Sdyney. Hinweise auf Regionen mit erhöhter Diebstahlsgefahr finden sich auch in einigen ausführlicheren Reiseführern, wie beispielsweise dem Lonely Planet.

Aufbruch von Wert- bzw. Schliessfächern

Rucksacktouristen sollten beim Aufenthalt in Sammelunterkünften (Backpacker Hostels) wachsam sein: Immer wieder werden von dort Diebstähle gemeldet. Wertschliessfächer sind in einfachen Unterkünften zuweilen nur schlecht geschützt. Auf diese sollten Sie nur nach vorheriger Besichtigung und einer persönlichen Einschätzung über deren mutmassliche Sicherheit zurückgreifen.

Überfall

Wie anderswo auch, sollten Sie auch in Australien darauf achten bei der Bargeldentnahme am Geldautomaten möglichst unbeobachtet zu sein.


Informationsquellen



Innenministerium

Außenministerien

aus Deutschland Auswärtiges Amt allgemein Australien
aus Österreich Ministerium für auswärtige Angelegenheiten allgemein Australien
aus der Schweiz Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten allgemein Australien
aus Neuseeland Minstery of Foreign Affairs allgemein  
aus USA Department of State Bureau of Consular Affairs allgemein Australien
aus Kanada Department of Foreign Affairs and International Trade allgemein Australien
aus Grossbritannien Foreign & Commonwealth Office allgemein Australien
Das Auswärtige Amt in Deutschland bezieht seine Informationen beispielsweise vor allem von den deutschen Botschaften, Generalkonsulaten und Honorarkonsulen im Ausland. Es unterteilt seine Sicherheitsinformationen in Reisehinweise und Reisewarnungen.
  • Reisehinweise sollen zur Entscheidungsfindung dienen. Sie sollen helfen Reisenden die Sicherheitslage in einem Land zu beurteilen. Auch Reiseveranstalter orientieren sich an diesen Informationen und routen im Zweifelsfall Touren auf andere Gebiete um. Reisenhinweise haben unverbindlichen Charakter. Es liegt im Ermessen eines Kunden oder eines Veranstalters trotz Reisehinweis ein Land zu besuchen.
  • Reisewarnungen werden für Länder erteilt, in denen Krieg oder bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Die Warnungen sind für Reiseveranstalter nicht auslegungsfähig. Alle geplanten Reisen müssen abgesagt werden, der Reisevertrag wird mit sofortiger Wirkung gekündigt.
Generell übernehmen die Ämter für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben keine Gewähr. Sie übernimmt auch keine Haftung für eventuelle Schäden.

Die Sicherheitseinschätzungen der einzelnen Ministerien weltweit fallen häufig unterschiedlich aus: So hatte die deutsche Regierung beispielsweise Israel am 8. März 2003 nicht unter den Ländern für die ein Reisehinweis ausgesprochen wurde, während die neuseeländische Regierung ein hohes Risiko diagnostiziert und von "allen nicht essentiellen Reisen nach Israel" abrät.
Reisende sind gut beraten im Zweifelsfall zusätzliche Quellen zu Rate zu ziehen. Im Internet-Zeitalter ist dies glücklicherweise kein grosses Problem mehr.

Vergleichstudien

Australiens allgemeine Kriminalitärsrate ist im weltweiten Vergleich niedrig. Es kann als vergleichsweise sicheres Reiseland eingestuft werden. Wir haben aus den nachfolgenden Studien zum Vergleich der Sicherheit einige Daten für oben stehende Ausführungen extrahiert.

Wichtiger Hinweis: Das Zahlenmaterial sollte nicht unreflektiert verglichen werden. Es hängt nicht zuletzt von der jeweiligen Kultur ab, ob kleinere Vergehen und schwere Verbrechen von den Opfern gemeldet werden.

  • Crime.org
    Eine britische Studie hat die Verbrechensstatistiken des Jahres 1999 von insgesamt 17 Staaten - darunter hauptsächlich westliche Industrieländer, aber auch einige osteuropäische Staaten und Südafrika - verglichen.
  • Die Universität in Leiden (Niederlande) führt seit geraumer Zeit internationale Studien über Verbrechensopfer durch. Danach wurde fast jeder dritte Australier 1999 Opfer eines Verbrechens während es in Nordirland, Portugal und Japan demnach nur lediglich 15% der Bewohner waren. Statistiken von Deutschland wurden nicht ausgewertet. Die Wissenschaftler untersuchten dabei die Polizeistatistiken für Straftaten wie Autodiebstahl, Einbruch, Raub, Körperverletzung und sexuelle Gewalt. Ein Grossteil der gemeldeten Verbrechen in Australien entfiel auf Autodiebstähle.

"Natürliche" Risiken

Spezielle regionale Sicherheitshinweise zu "tierischen" Gefahren finden Sie aufgrund von dort passierten Unfällen auf unseren Tourtipps-Seiten zum Beispiel für
Gold Coast
Kakadu Nationalpark
Kings Canyon


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